Babe der Woche

Gucci und andere Götter

Die Kinokomödie „Shopaholic“ zeigt Frauen im Kaufrausch – und wie Konten zum Kollabieren gebracht werden. Ein Film, der angesichts des gegenwärtigen Finanzcrashs höchst aktuell sein könnte – und doch nur albern am Thema vorbeizielt.

Ach, wären Männer doch wie Shoppingmeilen! Aber nein: „Ein Mann wird dich niemals so gut behandeln wie eine Boutique“, sagt Rebecca Bloomwood. Sie ist die Hauptfigur, um deren Konsumgelüste sich in dem Film „Shopaholic“ alles dreht – wobei ein höchst merkwürdiges Frauenbild aber entsteht. Denn Regisseur P. J. Hogan inszeniert seine Komödie gerade so, als hätte die weibliche Natur im Grunde nur eine Bestimmung, bei der sie so richtig aufgeht: Shopping. Egal was es koste?

Rebecca Blommwood jedenfalls kann nicht anders und muss alles kaufen, was ihr Herz begehrt. Die New Yorkerin ist Modenärrin und unfähig, an einem Schaufenster vorbei zu gehen, ohne Liebe auf den erst(best)en Blick zu spüren: Mal ist es ein Kleid von Dior, mal sind es Gucci-Stiefel, die ihr Verlangen wecken. „Unterwäsche ist ein Menschenrecht“, verteidigt sich die Heldin nach einem weiteren teuren Sündenfall, durch den plötzlich sämtliche Kreditkarten der jungen Frau in den Generalstreik treten. Luxus war gestern, nun heißt es für Rebecca nur noch: Raus aus der Pleite! Dabei hilft ein Job bei einem Finanzmagazin, für das Rebecca Kolumnen schreibt (mit Spartipps). Und natürlich hilft auch ein Traumprinz von Chefredakteur, für den Rebecca sogar bereit ist, die Therapiegruppe der „Anonymen Shopaholics“ aufzusuchen, um sich zu bessern.  

Wer aber nun denkt, hier würde im Kino (passend zur gegenwärtigen Finanzkrise womöglich noch) Konsumkritik geboten, der irrt natürlich. Denn „Shopaholic“ denkt gar nicht daran, sich vom Rockzipfel unserer schönen bunten Warenwelt tatsächlich zu lösen. Stattdessen feiern die Macher des Films lieber Orgien mit Bildern, die in exklusiven Outfits schwelgen oder via Kamerafahrt durch bonbonfarbene Kleiderschränke, Kaufhausetagen und  Luxusgeschäfte führen. Ob das nun genau das ist, was Frauen sehen wollen, wenn sie ins Kino gehen und, zur Abwechslung mal, gerade nicht einkaufen? 

Hier ziehen wir mal die Spaßbremse. Kaufsucht gibt es natürlich wirklich. Im richtigen Leben ist sie wenig witzig und ein weibliches Krankheitsbild beileibe auch nicht. Denn glaubt man Studien, so sind zu fast 50% auch Männer unter den Betroffenen zu finden, die an dieser zwanghaften Störung leiden. Dass die Kino-Adaption des Bestseller-Buches „Die Schnäppchenjägerin“, das Sophie Kinsella schrieb, sich damit nicht beschäftigt, sondern das ganze Klischeeregister zieht, überrascht wohl niemanden. Macht den Film aber und seine Hauptfigur zu einem glänzenden "Babe der Woche".