Cool Tour

Gute Seiten, schlechte Seiten

Die Leipziger Buchmesse ist eröffnet. Wer hinfährt, kann sich müde Füße holen. Aber natürlich nicht nur die, sondern auch viele Kicks rund um das liebe Kultobjekt Buch.

 „Leipzig liest“ heißt es nun wieder – parallel zur Messe wird auch diesem Jahr „Europas größtes Lesefest“ stattfinden, auf dem unzählige Autoren und Bücher über vier Tage und Nächte einmal von anderer Seite zu erleben sein werden: „Hautnah“ – so das Versprechen der Veranstalter. 

Dabei ist intime Nähe bei weitem nicht das, was eine Veranstaltung wie diese in aller Regel auszeichnet. Rund 1900 Veranstalter und 1500 Autoren sind zwischen dem 12. und 14. März hier zu entdecken, an gut 300 Spielstätten noch dazu. Eine Fülle an Programm wird also wieder mal geboten. Besucher dürfen wohl mit einem dröhnenden Kopf rechnen. 

Leipzig hat viele Seiten und ist entsprechend auch vieles zugleich: eine lukrative Verkaufsshow für die Buchbranche. Eine wunderbare Massenhysterie um ein wunderbares Medium, das manche schon vom Aussterben bedroht sehen. Und Leipzig ist natürlich auch eine unverzichtbare Bühne für den Literaturbetrieb – leider für seine Macken gleich mit. 

Die „100 größten Ärgernisse“, mit denen uns der Literaturbetrieb nicht nur auf Buchmessen, sondern regelmäßig auf den Keks geht, hat gerade der Popliterat Benjamin von Stuckrad-Barre in einer Liste zusammengestellt, die er in der Zeitung „Die Welt“ veröffentlichte. Zusammen mit einigen anderen Autoren zählt er auf, was seiner Meinung nach gar nicht geht. Und dennoch vermutlich auch in Leipzig abgehen wird? So nervtötende Dinge nämlich wie … 


… eine Messemeldung: „Das meistgeklaute Buch“

… dass es auf der Buchmessen-Party vom Fischer-Verlag kein Bier gibt

… Lesungen in Aquarien, Gefängniszellen oder Tiefgaragen, bloß weil im betreffenden Roman ein Fisch, ein Mörder oder ein Auto vorkommt

… die ständige Unterstellung Amazons, egal, was man gekauft hat, auch Kehlmanns „Ruhm“ könnte einen interessieren

Natürlich muss man nicht vor Ort sein, um die Leipziger Buchmesse in den kommenden Tagen  ausgiebig zu verfolgen. Wer einfach nur Radio oder Fernseher anschaltet oder zu einer Zeitung greift, wird auch mitten drin sein können – in Berichten, Lesungen und Interviews hier und dort. 

Und nicht zu vergessen: Es gibt ja auch noch das Internet, das Highlights für einen sichtet. Sogar auf Seiten, die im Vergleich zu einer Literaturbeilage zwar der reinste Trash sein mögen. Aber so what? Eine „Landkarte der Literatur“, wie sie hier zu finden ist, hat gegenüber den Buchempfehlungen, die Ihnen Amazon gibt, jedenfalls schon mal einen deutlichen Vorteil: Es dreht sich nicht alles um Daniel Kehlmann!  

Der Nachteil allerdings: Auch hier sollten Sie lieber etwas mitdenken. Und wenn möglich, sollten Sie den Namen von „Julia Franck“, Autorin des Buches „Mittagsfrau“, in der Sucheingabe vermeiden. Denn eine literarisch seelenverwandte Schwester kann die Maschine für diese Autorin nicht finden. Nur ein Buch, aus ähnlichem Holz: „Bridget Jones“. He?

Dann doch lieber auf zur Leipziger Buchmesse