Abgefragt

"Haare auf den Zehen" – 1.Teil

Julia, Frieda und Nele sind drei Berliner Freundinnen, die gerade ihr Abitur gemacht haben. Sie sind zwischen 19 und 20 Jahre alt und genießen nun das Leben in vollen Zügen. Wir haben uns an einem Mittwochabend in einer gemütlichen Kneipe in Prenzlauer Berg getroffen, um dieses Interview zu machen.



Tun Euch Männer leid?

Julia: Nö! Männer haben alles was ich will und sie können sogar im Stehen pinkeln!

Frieda: Manche schon, aber nicht weil sie Männer sind, sondern wenn sie z.B. obdachlos sind. Also in gewissen Situationen.

Nele: Aber das ist doch geschlechterunspezifisch. Dir tut doch schließlich jeder leid, der auf der Straße lebt und nicht mehr oder weniger, weil er ein Mann ist.
Frieda: Na das meinte ich doch, habe ich das nicht gesagt?!


Habt Ihr Euern Lebensgefährten gewählt?

Julia: JA! Ich habe ihn gesehen und dachte: Man, der ist cool! *lacht* Ich denke, dass ich ihn auch schon 2 Jahre vorher unbewusst „ausgesucht“ habe. Aber als dann die Chance da war (und seine Freundin weg)... na ja, ne?! Aber natürlich wurde er von mir ausgesucht, was für eine Frage. *lacht*


Was bezeichnet Ihr als männlich?

Nele: Ein Tier das denkt!

Frieda: Einen Schwanz haben... Das kann ich so nicht sagen, du müsstest mir Bilder zeigen, dann sage ich dir, wer männlich oder was männlich ist.

Julia: Mh, das ist schwierig. Aber fangen wir mal an: eine tiefe dunkle Stimme,

Frieda: Oh ja!

Julia: Kurze Haare, ungepflegte Fingernägel (*alle lachen*) na stimmt doch! Habt ihr schon mal 'nen Kerl gesehen, der saubere und gepflegte Fingernägel hat?! Na also! Brusthaare und Haare auf den Zehen...

Nele: Einfach überall Haare!

Frieda: Ja, Haare da, wo Frauen sie sich wegrasieren.

Julia: Ach ja: Bier. Frauen sagen immer, wenn sie sich treffen: Ach, bring doch 'nen Weißwein mit oder einen netten Sekt. Ich habe etwas dergleichen noch nie einen Mann sagen hören. Die sagen immer nur: Bring Bier mit!


Warum müssen wir Männer nicht verstehen?

Frieda: Weil uns die Männer auch nicht verstehen. Außerdem wäre es doch ziemlich langweilig und wir könnten nicht rumrätseln und lästern und...

Julia: Weil wir nicht im Stehen pinkel können. Da fängt alles an!

Frieda: Ja, stimmt irgendwie.


Beneidet Ihr Tiere, die ohne Hoffnung auszukommen scheinen z.B. Fische im Aquarium?

 Julia: *lacht* Eigentlich ist es doch gut. Es sind kleine Steh-auf-Männchen. Sie wissen es nicht besser und tun es immer wieder.

Nele: Hoffnung ist hier das falsche Wort und was du meinst ist „Denken“. Sie sind ja keine Steh-auf-Männchen, weil sie keine Hoffnung haben, sondern weil sie nicht denken und keine Erinnerungen haben.

Julia: Ja, richtig. Also, ich beneide sie, weil sie nicht denken können.

Frieda: Maximal würde ich sie bemitleiden, aber nicht beneiden!


Welche Hoffnung habt Ihr aufgegeben?

Nele: Dass das Abi fair ist!

Julia: Bei mir waren es nur sehr persönlich Dinge.

Frieda: Keine einzige! Ich bin ein sehr optimistischer Mensch und behalte meine Hoffnungen.

Julia: Na, bei mir war es das 1er Abi. Die Hoffnung habe ich ganz schnell über Bord geworfen. *nachdenklich* Insgesamt ziemlich viele und manche auch erst sehr spät...

Frieda: Na, jetzt sag doch mal ein paar.

Julia: Zum Beispiel, dass ich ein Hobby finde oder dass ich ein Talent habe –

Nele: Dein Talent sind die Menschen. Du kannst jeden zum Lachen bringen und bist wunderbar im Umgang mit ihnen.

Julia: Ich weiß nicht.

Frieda: Du bist einfach ein viel zu pessimistischer Mensch. Es wäre ja schlimm, wenn du auch nur einmal an einer Hoffnung festhalten würdest. Du könntest dann ja glatt optimistisch werden.


Wenn Ihr jemanden mit einer unheilbaren Krankheit kennt, macht Ihr ihm Hoffnung, die Ihr selber als Trug erkennt?

Nele: Mh...Er würde es wahrscheinlich brauchen.

Frieda: Lieber Hoffnung machen und die restliche Zeit glücklich verbringen, als die ganze Zeit traurig sein. So sehe ich das. Man kann ihm ja Hoffnung auf eine schöne restliche Zeit machen, das wäre nicht falsch.

Julia: Man kann ihm ja versuchen, Hoffnung zu machen, dass er lange genug lebt, dass sich die Medizin weiterentwickeln kann und in der Lage ist, ihm zu helfen.



Wenn Sie noch mehr von den drei Freundinnen lesen wollen, dann warten sie auf die Fortsetzung. Bis zum nächsten Mal!


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Die Fragen stammen aus dem Buch „Fragebogen“ von Max Frisch