Kerle & Küche

Handmade Klöße

Sogar an Klöße trauen sich heutzutage die Männer ran. Nichts ist mehr sicher vor ihnen...

Von: Burkhard Koch, Foto:ossiladen.de

vom 22.12.06

Hier schreibt ein Mann mit jahrelanger Kloßerfahrung:

 

Genau genommen gibt es "die" Thüringer Klöße nicht. Jede Familie schwört auf ihr Geheimrezept, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Eigentlich brauchen Sie dazu spezielles Equipment wie eine Kloßpresse – und die Erfahrung von Generationen. Aber auch Nicht-Thüringer bekommen es hin. Wer es sich ganz einfach machen will, geht in den nächsten Supermarkt und kauft dort fertige Kloßmasse. Die daraus entstehenden glibbrigen Kugeln kann man durchaus essen, nur mit Klößen haben sie nicht viel zu tun.

 

Meine Großmutter würde nie zugelassen haben, daß ich die Klöße auf die im folgenden genannte Art fabriziere, aber dafür gelingen sie -  fast immer:

 

Schälen Sie pro Person drei große oder eben sechs mittelgroße Kartoffeln. Zwei Drittel werden roh gerieben, das restliche Drittel gewürfelt und in Salzwasser gekocht. Die geriebenen Kartoffeln werden so gut wie möglich in einem Küchentuch ausgepreßt. Eigentlich müßten sie ganz trocken sein, aber - Oma verzeih mir - es geht auch anders. Es kommt eben auf die Gesamtmenge von Flüssigkeit an. Deshalb gießen Sie das Kochwasser von den ganz weich gekochten Kartoffeln vollständig ab - aufheben - und verarbeiten Sie diese zu Brei. Den kochen Sie noch mal auf und verrühren ihn mit den ausgepreßten geriebenen Kartoffeln. Daraus sollte eine feste, formbare Masse entstehen.

 

Gießen Sie soviel von dem Kartoffelwasser hinzu, bis diese Konsistenz erreicht ist. Während die Kartoffeln kochen, haben Sie ein paar Scheiben Weißbrot gewürfelt und in der Pfanne geröstet. Machen Sie ruhig mehr, Partner, Gäste und Kinder werden zugreifen. Sie müssen eher aufpassen, daß genug übrigbleibt. Ein großer Topf mit siedendem Salzwasser sollte auch schon bereit stehen. Nun tauchen Sie ihre Hände in kaltes Wasser, nehmen eine Handvoll Brei, ein paar Weißbrotwürfel in die Mitte und formen schöne runde Klöße, die Sie vorsichtig ins siedende Wasser gleiten lassen. Ca. 15 Minuten sieden lassen, die Klöße müssen oben schwimmen. Mit dem Schaumlöffel herausnehmen. Dazu gibt es einen Braten Ihrer Wahl, viel Soße sollte er schon hergeben.

 

Im übrigen haben meine Altvordern drei Tage von den Klößen gelebt. Montags gab es "Kloßbrüh", igitt, das Wasser, in dem die Klöße gekocht haben. Wenn Ihnen die Masse zu weich geraten war, ist das eine prima Zudelsuppe. Dienstags wurden die übriggebliebenen Klöße in Scheiben geschnitten, in der Pfanne gebraten und - falls noch vorhanden - mit der restlichen Soße angerichtet. Schmeckt sehr gut.

 

Alle Thüringer bitte ich vorab um Verzeihung - aber sie haben ja die Chance,
mein falsches Rezept im Forum oder Gästebuch zu korrigieren.