Wissenswertes

Hast du Töne? Warum wir alle musikalisch sind

Nie war der Mensch mehr von Musik umgeben als heutzutage – und doch behaupten viele Leute, komplett unmusikalisch zu sein.

Woran liegt das? Sorgt der akustische Overkill aus Radio, MP3-Playern, Fahrstühlen und Einkaufszentren dafür, dass man nur noch konsumiert anstatt selbst zu musizieren? Wird man von Pseudo-Talentshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ eingeschüchtert, weil diese TV-Sendungen vorgaukeln, es gäbe unter Zehntausenden nur ein einziges herausragendes Stimmtalent?

 

Zeit-Journalist und NDR-Moderator Christoph Drösser möchte mit dem Vorurteil aufräumen, dass Musizieren oder Musikalität generell nur einer genialen Minderheit vorbehalten ist: er zitiert zahlreiche aktuelle Studien aus Musikpsychologie und -wahrnehmung, Hirnforschung und Biologie und kommt zu häufig überraschenden Ergebnissen, z.B. dass Musiklaien (also Menschen, die kein Instrument spielen) Bruchstücke von Liedern genauso schnell erkennen wie Profis, die sich berufsmäßig ständig mit Musik beschäftigen.

 

Trotz ausführlicher Ausflüge in Musiklehre und -theorie ist Drössers Buch nie trocken, er schreibt lebendig und vor allem aus dem Leben: er selbst ist Musiker in verschiedenen Bands und einem A-Capella-Chor und streut immer wieder eigene Erfahrungen in den Text ein, seine Beispiele beziehen sich meist auf Popmusik, weil ihm diese näher steht als Klassik (die er allerdings nicht totschweigt).

 

„Hast du Töne“ ist ein gelungenes Beispiel für die Verknüpfung aus fundiertem Sachbuch und pop- kulturellem Ansatz – und es macht Mut, mal wieder lauthals drauflos zu singen, nicht nur unter der Dusche.

 

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Christina Mohr arbeitet beim Campus Verlag in Frankfurt. Nach Feierabend ist sie Musikredakteurin des Online-Kulturmagazins satt.org, rezensiert Platten und Bücher, gelegentlich auch für andere Websites wie melodiva.de, titel-magazin.de und Zeitschriften wie Missy Magazine. Der hier veröffentlichte Text erschien zuerst auf der Seite von satt.org, wir danken ganz herzlich für die Erlaubnis zur Zweitveröffentlichung!

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