Cool Tour

Head over High Heels. Strong and Female 1927 - 1959

Das waren Zeiten - hinhören lohnt sich.

Amerikanische Screwball-Komödien wie "Leoparden küsst man nicht" als Wegbereiter des modernen Feminismus? Das ist vielleicht zu hoch gegriffen, zumal die Regisseure ausnahmslos Männer waren, z.B. Ernst Lubitsch, Howard Hawks und George Cukor.

 

Es stimmt aber, dass diese Filme einen neuen Frauentyp hervorbrachten: Jean Harlow, Katharine Hepburn, Mae West, Carmen Miranda, Doris Day oder Rita Hayworth waren intelligent, schlagfertig, wortgewandt, selbstbewusst, glamourös, dabei schön, sexy und witzig; gaben Ulknudel und Femme Fatale, Geliebte und Kumpeline in Personalunion. Die Stummfilm-Ära war vorüber, der Tonfilm bot ungeahnte Ausdrucksmöglichkeiten, es wurde gesungen, getanzt und viel geredet -- Dialoge gerieten zum rasanten Schlagabtausch der Darsteller, und meistens ging es um... na klar, die Liebe mit all ihren Wirrnissen.

 

Inspiriert durch einen euphorischen Zeitungsartikel von Schriftstellerin A.L. Kennedy kompilierte die Journalistin Renate Heilmeier den Trikont-Sampler "Head Over High Heels", der 24 Songs aus Screwball-Comedys versammelt. Musikalisch findet sich hier viel Hollywood-Meterware, meistens quirliger Bigband-Schrumm-Schrumm-Sound, das Besondere sind die Sängerinnen und die Texte: Songtitel wie "You Can Be Replaced" von Pearl Bailey, Mamie van Dorens "Separate the Men from the Boys" oder "I'll Be Hard to Handle" von Ginger Rogers sprechen für sich. Marilyn Monroe überrascht in der Tat mit dem wundervoll gesungenen "You`d Be Surprised", Marlene Dietrich singt im Duett mit Rosemary Clooney das bissige "Too Old to Cut the Mustard", Carmen Miranda schmachtet zusammen mit den Andrew Sisters "Cuanto Le Gusta", mit Eartha Kitt, Billie Holiday und Shirley Bassey sind großartige Jazzsängerinnen vertreten, die ebenfalls auf der Leinwand reüssierten.

 

"Head over High Heels" macht fast so viel Spaß wie ein Screwball-DVD-Abend und lässt besagte Filme in neuem Licht erstrahlen. Hat jemand nach deutschen Entsprechungen gefragt? Tja... vielleicht Ilse Werner und Marika Rökk? Ach, lassen wir das....

 

 

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Christina Mohr arbeitet beim Campus Verlag in Frankfurt. Nach Feierabend ist sie Musikredakteurin des Online-Kulturmagazins satt.org, rezensiert Platten und Bücher, gelegentlich auch für andere Websites wie melodiva.de, titel-magazin.de und Zeitschriften wie Missy Magazine.


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