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Heimweh nach Zuhause?

Wir sterben heut längst nicht mehr dort, wo wir geboren wurden. Ist unsere Heimat unser Geburtsort? Dort wo wir aufgewachsen sind? Nicht zwangsläufig.

Heimat, Zuhause - das sind Begriffe, dehnbar wie Kaugummi und ganz persönlich gefärbt. Eine kurze Nachfrage im Bekanntenkreis ergab: das Elternhaus, eine Melodie, Kindheitserinnerungen, spezielle Gerüche oder der Geschmack von etwas, ein Dialekt, vertraute Straßen, dieser eine Baum, Brauchtumspflege, die Muttersprache in einem anderen Land zu hören, die Familie, das eigene Ich oder ein Ort, wo man zufrieden ist...

 

All das kann Heimat bedeuten oder ein Gefühl von Zuhause vermitteln. Hiernach sehnen wir uns offenbar alle (heimlich). Kinder, die zum ersten Mal über Nacht weg sind, werden trotz einem Trolley voller Kuscheltiere meist von Heimweh geplagt, und auch Erwachsene können sich manchmal des nagenden Gefühls nicht erwehren.

 

Mein letztes Heimweh liegt zwar lange zurück, doch die Erinnerung daran ist deutlich: Als Austauschschülerin in Frankreich wurde ich bettlägerig, Mutters Kranksein-Verwöhn- Programm samt Lieblingsessen und Betüddeln fehlten schmerzlich. Heutzutage plagt mich eher das Fernweh. Tatendrang, Wissensdurst und Lebensfreude, Offenheit für unbekanntes Terrain... damit bin ich bester Gesellschaft, wie eine weitere Nachfrage im näheren Umfeld zeigte. „Home is where the heart is“, oder?

 

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Sandra Wagner, freie Journalistin und halbherzige Hausfrau, lebt in der Nähe von Mönchengladbach und schreibt ab und zu ein Buch und textet für Sie.

 

 

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