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Heirate nie eine Frau mit großen Füßen

Vorurteile gegen Frauen - in Sprichwörtern aus aller Welt. Mineke Schipper hat sich mit ihnen beschäftigt und dafür einen Preis für das beste Sachbuch im Bereich Wissen und Wissenschaft in den Niederlanden verdient.

Buchauszug:

 

Sprichwörter über Frauenhintern haben fast immer einen sexuellen Bezug. In gewisser Hinsicht sind Hinterteile wie Brüste: dieselbe runde Form, dieselbe Anziehung. Eine Frau, die ohne schönen Hintern auskommen muss, befindet sich im Nachteil. "Weder ein schönes Gesicht noch einen schmeichelhaften Hintern" sagt ein arabisches Sprichwort abwerttend und meint damit jemanden oder etwas in der Welt, der oder das nichs taugt.

Auch wenn der weibliche Hintern für Männer eine große Rolle spielt, werden sie oft gewarnt, dass alles auch seinen Preis hat: Eine attraktive Frau kostet den Mann einiges. In Kuba sagt man scherzend: "Eine Frau mit einem dicken Hintern braucht viel Benzin."

(Mineke Schipper in ihrem Buch: „Heirate nie eine Frau mit großen Füßen“)

Lust auf mehr bekommen? Oder schimpfen Sie – falls Sie eine Frau sind – nur noch wütend über die Machos? Ich kann mich nicht so recht zwischen Lachen und Zorn entscheiden, auf jeden Fall bin ich voller Bewunderung für Mineke Schipper, Professorin für interkulturelle Literaturwisssenschaft an der Uni Leiden. Ihr Buch über die „Frauen mit großen Füßen“ bekam in den Niederlanden den Eureka-Preis für das beste Sachbuch im Bereich Wissen und Wissenschaft.

Verdientermaßen. Denn es ist eine Fundgrube für Feministinnen, die die Kommunikation zwischen Mann und Frau stressfreier gestalten und weiter verbessern wollen, für Männer, die gern Witze über Frauen machen, und für Menschen, die einfach gern Bescheid wissen möchten, welche Urteile und Vorurteile man auf der ganzen Welt über Frauen fällt. Was mich daran fasziniert:

Wenn es gerecht zuginge, sollte man doch davon ausgehen können, dass sich Positives und Abwertendes über Frauen global einigermaßen die Waage hält, oder? Der Blick quer durch die Kulturen beweist aber: tut es nicht. Das Abwertende überwiegt oder genauer gesagt – die Angst der Männer vor den unergründlich geheimnisvollen Frauen. Und Männer versuchen, diese Angst durch Abwertung eben auch zu bannen, frei nach dem Motto: Wenn du schon nicht weglaufen kannst, dann mach den Angreifer lächerlich, durch Schmähreden.

So was haben schon die Griechen unter König Menelaus gegenüber den trojanischen Helden probiert – und gewonnen. Männer handeln heute noch nach dem Uraltrezept, wenn sie sich unterlegen fühlen: Wenn du sie nichts ins Bett kriegst, mach sie fertig, die Zicke. Oder, meine Herren? Sprichwörter (und Redensarten, zwischen diesen wird in Mineke Schippers Buch kaum unterschieden) sind dabei eine große Hilfe.

Macht das was? Nach 10.000 Jahren patriarchalischer Kultur sollten wir Frauen uns an die Diffamierungen gewöhnt haben. Sollen wir sie weiterhin zähneknirschend lächelnd hinnehmen? Mit ähnlichen Sprichtwörtern antworten? Gibt es solche? In dieser Menge?

Widerspruch lohnt meist nicht. Oder nur im wissenschaftlichen Bereich, wo ohne Zorn und Eifer über so abgelegene – und so witzige! – Fragen wie Sprichwörter aus aller Welt diskutiert werden kann. Sprichwörter über Männer? Da fallen mir, tut mir leid, spontan nur so gemeine ein, dass ich sie nicht aufschreiben mag. Vielleicht finden Mineke Schipper und der Eichborn Verlag, dem wir dieses interessante, auf- und anregende Buch verdanken, ja irgendwann einen männlichen Professor, der die Reden der Frauen unter die Lupe nimmt. Und die Sprüche, die Männer über sich selbst austauschen. Ich freue mich jetzt schon drauf!

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Anne von Blomberg schreibt am liebsten über neue Trends: Psycho-, Sozio-, Mode-, Ess- oder Parfumtrends. Aber ihre größte Freude sind die Bücher, die sie auf "readme.de" vorstellt - vom nüchternen Sachbuch bis Fantasy, vom Krimi bis zum guten Roman. Vorbildung? Stellvertretende Chefredakteurin bei "Petra" und "Brigitte", Chefredakteurin bei Gourmet- Magazinen, heute u.a. Trendschreiberin für die Zeitschriften des Mode-Centrums Hamburg.

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