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Helden wie wir

Tsatsiki-Tsatsiki Johansson oder schlicht und einfach Salmiak. Ungewöhnliche Namen haben die Kinderbuchhelden von Moni Nilsson oder Moni Brännström, wie sie früher hieß, schon. Ansonsten sind sie ziemlich normale Kinder, die sich mit ziemlich alltäglichen Problemen herumschlagen müssen.

Von: Jonas Larsson

vom 02.08.07

Wer (seinen Kindern) die ganz famose Reihe über Tsatsiki, seine Mutter, die Rockrebellin, und seinen Vater, den griechischen Tintenfischfischer, (vor)gelesen hat, der weiß, was ich meine. In Moni Nilsson-Brännströms Tsatsiki-Büchern werden ernste Dinge wie die erste Knutschparty, der Tod des Großvaters oder Mobbing auf dem Schulhof stets mit dem ihnen gebührenden Respekt und ohne grundschuldidaktische Betulichkeit oder die banalisierende Verfälschung erwachsen-pädagogischer Abgeklärtheit abgehandelt. Diese Bücher gehen dahin, wo es weh tut, und sie tun dabei ihren großen und kleinen Lesern ungemein gut. So wie das eben sein muss bei guter Literatur, ob von Nöstlinger oder Thomas Mann, Astrid Lindgren oder Dostojewski.

 

In ihrem neuen Buch „Salmiak und Spocke“ geht es um den Jungen Salmiak, der mit seinen Eltern aus der Großstadt Stockholm in die idyllische Provinz der nordschwedischen Gebirgslandschaft gezogen ist ­– in eine Gegend, wo der Vater herkommt und wohin er zurückgekehrt ist, weil es sich hier billiger lebt. Und wo die Mutter eingeht wie eine Primel, weil es hier immer dunkel und kalt ist und weil die Menschen borniert und feindselig sind und mit Bob Marley nichts anzufangen wissen. So wie „Per-Jonas’ dummer Papa“, ein durch und durch mehrheitstauglicher und kreuzdoofer Zeitgenosse, der nicht nur der Mutter, sondern auch Salmiak das Leben schwer macht.

 

Salmiaks Mutter hält es dort im Schatten des Gebirges irgendwann nicht mehr aus und setzt sich allein nach Stockholm ab. Zurück bleibt Salmiak, mit dem Vater, der an einem Computerspiel bastelt, das irgendwann die finanzielle Unabhängigkeit bringen soll, die die Familie in Stockholm zusammenführen kann. Mit der liebenswert-resoluten Oma, die immer einen Rat weiß. Und mit Spocke, dem Popel und Moltebeermarmelade naschenden Fantasiefreund in Handpuppenformat, der mitunter ganz und gar unmöglich und fast immer solidarisch ist. Spocke ist wie eine Art Kreuzung aus Karlsson vom Dach und Pumuckl, und er hilft Salmiak immer wieder, in dieser finsteren Gegend, die er doch der Oma und der wunderschönen Landschaft wegen so liebt, zu überstehen.

 

Irgendwann lernt Salmiak noch den Geige spielenden Stotterer Clint-Clint-Henrik kennen, der mindestens so sehr gemobbt wird wie er selbst und dessen Vater eigentlich ganz lieb ist. Wenn er nicht gerade säuft, was er leider fast immer tut. Clint-Clint Henrik ist einfach ein toller Typ und wird sofort zu Salmiaks bestem Freund. Es kommt, wie es kommen muss: zu Eifersuchtsdramen und herzzerreißenden Loyalitätskonflikten und all dem, was weh tut und am Ende doch auch gut. Wie im richtigen Leben eben.

 

Meine Kinder und ich halten große Stücke auf die Kinderbuchhelden von Moni Nilsson-Brännström. Und das nicht nur, weil sie so komische Namen haben. Und obwohl sie weder zaubern noch Fußball spielen können.