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Herzlichen Glückwunsch! Es ist ein Wassermann!

Aberglaube oder Wissenschaft? Ist denn etwas dran - an Horoskopen? Oder hören wir vielleicht nur, was wir hören wollen?

Von: Michaela Tadjesch, Fotos: photocase.com

vom 16.01.07

Welches Sternzeichen darf es denn sein für den Nachwuchs? Es soll Leute geben, die für ihr Kind einen astrologisch günstigen Geburtstermin planen. Dank der Option Kaiserschnitt ist das ja heutzutage möglich. Nun, in China ist die Astro-Geburt Trend. Gerne wird dort der Termin für den Gang in den Kreissaal so gewählt, dass er dem Kind möglichst viel Glück, Schönheit, Intelligenz und Reichtum verheißt. Zu dieser Entwicklung trägt die Ein-Kind-Politik der chinesischen Regierung bei. Seit 1979/80 erlaubt sie nur noch ein Kind pro Paar, um des rasanten Bevölkerungswachstums und potentiell resultierender wirtschaftlicher Negativfolgen Herr zu werden. Daher wollen viele Eltern die Möglichkeit nutzen, das eine Kind, auf das sich alle Hoffnungen und Bestrebungen richten, auf diese Weise "zu optimieren".

 

Ausgemachter Humbug oder ernstzunehmende Lebenshilfe? Kaum etwas spaltet die Bevölkerung so klar in Gläubige, Ungläubige und Unentschlossene wie das Thema "Horoskop". Jeder kommt wohl in seinem Leben in Situationen, in denen ihm Orientierung und Rat in Form eines zutreffenden Horoskops lieb wäre oder er einfach gerne "die Fortsetzung" seines Lebens wüsste, um vielleicht hoffnungsvoll in eine glücklichere Zukunft blicken zu können.

 

Astrologische Prognosen bieten aber nicht nur Halt, sie beinhalten auch das Risiko, die eigene Selbstständigkeit zu verlieren. Menschen, die  von astrologisch basierten Beratungen abhängig sind, wie sie zum Beispiel die "Questico AG" anbietet, wählen sehr regelmäßig die kostenpflichtigen Nummern, um zu erfahren, wie ihre Sterne für den Tag oder bestimmte Vorhaben stehen.

 

Laut der Umfrage eines Münchener Meinungsforschungsinstitutes mit 965 Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 bis 16 Jahren glaubt unter den 12- bis 16-Jähringen jeder Zweite an einen Einfluss von Sternzeichen und Horoskopen auf das Leben. Somit glauben nur unwesentlich mehr Teenager an Gott als an die Astrologie.

 

Wie hoch aber ist die Aussagekraft von Horoskopen in Bezug auf Persönlichkeit und Zukunftsprognose? Zunächst gibt es prinzipiell zwei Typen von Horoskopen: Horoskope der ersten Art findet man verlässlich in jeder Fernsehzeitschrift, aber auch andernorts. Sie basieren nicht auf astrologischen Berechnungen, sondern stammen aus der Feder eines wortgewandten Redakteurs und dienen der reinen Unterhaltung. Dennoch scheinen sie häufig überraschend gut zu uns zu passen.

 

Horoskope der zweiten Art hingegen beruhen auf mathematischen Berechnungen der Planetenkonstellationen zu bestimmten Zeitpunkten an bestimmten Orten. Sie werden heute meistens Software gestützt erstellt und sind häufig kostenpflichtig. Ein kostenloses Geburtshoroskop kann man zum Beispiel unter der Adresse "www.astrodienst.com" über das Internet erhalten.

 

Wie entstehen nun Horoskope der ersten Art, dass sie häufig so zutreffend erscheinen? Nun, am besten lesen Sie zuerst das folgende Persönlichkeitshoroskop:

 

"Sie wünschen sich, dass andere Leute Sie mögen und bewundern, und dennoch tendieren Sie zu einer kritischen Meinung gegenüber sich selbst. Sie haben zwar ein paar persönliche Schwächen, können diese aber im Allgemeinen ausgleichen. Sie verfügen über einiges Potential, das Sie bisher noch nicht zu Ihrem Vorteil genutzt haben. Nach außen hin wirken Sie diszipliniert und selbstbewusst, jedoch sind Sie innerlich beunruhigt und unsicher. Manchmal machen Sie sich ernsthaft Gedanken darüber, ob Sie die richtige Entscheidung getroffen oder das Richtige getan haben. Sie bevorzugen ein gewisses Maß an Abwechslung und Veränderung , und Sie fühlen sich unbefriedigt, wenn Sie von Einschränkungen und Limitierungen gehemmt werden. Sie sind auch stolz darauf, ein unabhängiger Denker zu sein und dass Sie nicht einfach so andere Aussagen akzeptieren, wenn diese nicht auf stichhaltigen Beweisen beruhen. Allerdings haben Sie herausgefunden, dass es nicht sehr klug ist, sich gegenüber anderen zu sehr zu öffnen. Manchmal verhalten Sie sich extrovertiert, leutselig und sozial, allerdings sind Sie wiederum manchmal auch introvertiert, skeptisch und zurückhaltend. Einige Ihrer Sehnsüchte tendieren dazu, eher einer unrealistischen Natur anzugehören."

 

Das könnten Sie sein? Genau. Und es könnte ebenso auf jeden x-beliebigen anderen Menschen passen. Dass sich tatsächlich jeder in solchen  für Zeitschriften-Horoskopen typischen Formulierungen wiedererkennt, wurde in einem wissenschaftlichen Experiment nachgewiesen. Dafür führte B.R. Forer (1949) mit 39 seiner Studenten einen Persönlichkeitstest durch. Anschließend legte er jedem Probanden eine aus dem Test resultierende "individuelle" Persönlichkeitsbeschreibung vor. Die Studenten wurden dann gebeten, auf einer 5-stufigen Skala einzuschätzen, wie gut einzelne Aspekte ihrer Persönlichkeitsbeschreibung auf sie zutrafen. Obwohl jedem Studenten dieselbe Beschreibung - nämlich die oben abgedruckte - 1; vorgelegt worden war, wurde die Charakterisierung von fast allen Studenten als eher zutreffend empfunden und entsprechend mit durchschnittlich 4.3 von 5 möglichen Punkten beurteilt. Die Persönlichkeitsbeschreibung hatte Forer einem Astrologiebuch aus dem Zeitungskiosk entnommen. Der beschriebene Effekt wurde als der Forer- oder der Barnum-Effekt bekannt. (Phineas Taylor Barnum war ein amerikanischer Zirkusdirektor, in dessen Kuriositätenkabinett "für jeden Geschmack etwas dabei war".)

 

Forers Experiment zeigt, dass Menschen dazu neigen, recht allgemeine Persönlichkeitsbeschreibungen als individuell zutreffend und einzigartig anzuerkennen. Sicher liegen dem Effekt Hoffnung und auch eine gewisse Eitelkeit zugrunde, die dazu führen, Positives tendenziell für sich zu akzeptieren. Zweitens trägt die Fähigkeit des Menschen dazu bei, sich stets schnell aus etwas einen Sinn zu machen - somit aber auch dort, wo kein Sinn vorhanden ist, etwas hineinzudeuten.

 

 

Lesen wir nun mit entsprechend geschärftem Blick dieses Tageshoroskop:

 

"Auch wenn Sie sonst ein ausgeglichener Mensch sind, werden Sie heute eine Vielzahl von Gefühlen durchleben, die Sie ausgesprochen launisch wirken lassen. Lassen Sie sich davon nicht erschrecken. Launisch zu sein hat durchaus seine positiven Seiten. Sie können Ihre Umgebung mit Ihrer Euphorie anstecken, wenn etwas gelingt, sodass der Tag für alle zu einem freudigen Erlebnis wird. Sollte Ihnen dieses Glück nicht widerfahren, so suchen Sie sich einen Ort der Ruhe, um diesen Tiefschlag zu verdauen."

 

Schauen wir uns den Text mal genauer an: "sonst ausgeglichen" - Das hört man gerne von sich. „...eine Vielzahl von Gefühlen durchleben..." - Gut, wer tut das nicht?. "Launisch wirken" - Okay, entweder es stimmt wirklich, oder man hat das eben nicht so mitbekommen. Dann gibt es zwei mögliche diffus formulierte Ausgänge: "freudiger Tag" oder "Tiefschlag". Das Ganze wird durch die Empfehlung gekrönt, gegebenenfalls "einen Ort der Ruhe aufzusuchen".

 

Wie aber steht es mit der Aussagekraft der zweiten Art von Horoskopen, also jenen, die wirklich auf astrologischen Berechnungen beruhen? Ein dänisch-deutsches Forscherteam um Peter Hartmann wertete Persönlichkeitsprofile von 15000 Menschen aus: Und es konnten keine Persönlichkeitsunterschiede zwischen Menschen verschiedener Sternzeichen nachgewiesen werden. Den Einfluss des Geburtszeitpunktes und -ortes auf das Wesen der Menschen gibt es also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Auch wenn Astrologen und begeisterte Hobbyastrologen nun argumentieren werden, dass neben dem Sonnenzeichen (d.h. dem sogenannten Sternzeichen) auch andere Aspekte eines Horoskops, wie der Aszendent, das Mondzeichen, die Häuser usw., den Charakter prägen, so ist es wissenschaftlich nicht von der Hand zu weisen, dass sich ein Effekt des Sonnenzeichens in einer derartig umfangreichen Stichprobe zeigen sollte, wenn es ihn gäbe.

 

Obwohl die Wissenschaft der Astrologie also nicht den Rücken stärkt, glauben die meisten Menschen wenigstens so „ein wenig“ an Horoskope - und wenn ich ganz ehrlich bin, lese auch ich alle paar Wochen meine astrologisch errechnete Zukunftsprognose für die nächsten Monate.