Babe der Woche

High Noon am Wickeltisch

Kinder sind ein großes Abenteuer – nicht nur für Frauen. Das versucht ein Buch zu vermitteln, das zwischen Papa und Pampers den Wilden Westen an den Haaren herbeizitiert.

Rauchende Colts waren gestern. Männer von heute wissen nämlich ganz gut, wie sie noch besser voll ins Schwarze treffen können: Das Baby schreit, während Mamas Job ruft – da weiß er natürlich genau, was alles zu tun ist. Ja, so lieben wir sie doch: die so genannten „neuen Väter“, deren Heldengeschichten derzeit zahlreich den Buchmarkt erobern. 

Schön. Oder auch schön blöd: wenn nämlich das Ganze dann doch so locker aus der Lende geschossen kommt wie bei Hans-Werner Meyer. Der aus TV und Kino bekannte Schauspieler hat seinen Alltag mit zwei kleinen Söhnen in einem Buch geschildert, dessen Titel schon mal klarstellt, wohin es über 220 Seiten dann weiter gehen soll: „Durchs wilde Kindistan“

Karl May, man hört ihn trapsen? Nein. Poltern. Denn auch der grüne Einband des Buches mit Goldschrift beschwört den Geist des Klassikers und zeigt hinzu noch ein Bild des Autors selbst, der in Wildwest-Pose sich zur Schau stellt: allerdings mit Baby (statt Sattel) auf der Schulter und Milchflasche in der Hand (statt einem Finger am Abzug). Die Botschaft dürfte sich dennoch vermitteln: Nur über Daddys Leiche wird hier gedurstet, an wundem Po gelitten oder sogar völlig grundlos geschrieen. Pang!

„Man lebt eigentlich beständig an den Grenzen seiner Kräfte,“ kommentiert Hans-Werner Meyer das alles: „Für mich ist das Vatersein genau das: eine Reise in ein wildes, fremdes Land. Auch wenn man schon viel davon gehört hat, kann man sich nicht vorstellen, wie es dort ist.“ Besser also, man ist schon mal auf das Allerschlimmste vorbereitet? Nein. Denn das Buch gibt vor, ganz andere Absichten zu haben: 

Es möchte Männern zeigen, dass eine Vaterrolle im Leben nicht das Ende der Welt sein muss. Auch wenn der Autor keinen Hehl um die Abstriche macht, die eine Entscheidung für Kinder dennoch mit sich bringen kann. Hans Werner Meyer beschwört so etwa hohe Mauern, die eine „Freie Republik Mann“ von „Kindistan“ trennten. Und der gute Mann beschwört natürlich auch den Sex – im „Vorgebirge der Schwangerschaft“ (so eine der Kapitelüberschriften) leider nur ein „Gänseblümchen“. Echt hart, so ein Aufstieg zum Wickelboss!