Anderswo

High Speed auf High Heels

Stöckelschuhe und hohe Absätze sind nicht jeder Frau Sache. Wer mit ihnen auf Kriegsfuß steht oder schlichtweg ein Plumpfuß-Problem hat, wusste sich bisher dennoch zu trösten: Plattschuhe bringen einen in der Regel schneller ans Ziel. Die Zeitschrift „Glamour“ hat an diesem Mythos nun gekratzt – und 100 Frauen auf Stilettos über das Berliner Pflaster sprinten lassen.

Den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit wollen die Veranstalter, die am einem Samstag im August zu einem Stiletto-Run auf dem Berliner Wittenbergplatz einluden, nicht auf sich sitzen lassen. Im Rahmen des Mode-Festivals „Global Fashion“ hatte die Zeitschrift „Glamour“ zu einem Event der besonderen Art eingeladen: 100 Frauen wurden aus „säckeweise eingegangenen Bewerbungen“ ausgewählt, um auf Pfennigabsätzen über eine 100-Meter-Strecke zu hechten. Der Preis? Für die Siegerin 10.000 Euro – als Gutschein für einen anschließenden Shoppingmarathon im Kaufhaus KaDeWe. Für alle, die später ins Ziel kamen: eine Urkunde und ein Fußpflegeset. Vermutlich als Auszeichnung irgendwo zwischen Trostpreis und Trostpflaster dienlich.

 

Wozu der ganze Rummel? Die Antwort blieben die Veranstalter natürlich schuldig. „Spaßverderber“ schimpfte die Moderatorin Sonya Kraus all jene, die hierbei gleich Böses denken. Und die Beauty-Chefin des „Glamour“ merkte an:  „Im letzten Jahr gab es nur positive Resonanz von den Leserinnen. Außerdem trägt das Stiletto-Tragen zum Körperbewusstsein bei.“

 

Das mag schon sein – gilt aber vermutlich nur für den Fall, in dem man sich auf hohen Absätzen gehend fortbewegt. Denn mit der Stoppuhr im Genick sieht die Sache schon ganz anders aus. In etwa nämlich so.

 

Eine Werbekampagne für den Stiletto-Schuh? Als solche wird man den Berliner Sprint wohl kaum deuten können. „Füße im Eimer, Frau im Ziel“, wie das Magazin „Stern“ kommentierte, trifft da wohl eher ins Schwarze. Und wer ohnehin mehr auf Turnschuhe schwört, mag sich bestätigt fühlen. High Speed auf High Heels? Offensichtlich kein Problem, wo die Siegerin nur 14,7 Sekunden brauchte, um ins Ziel zu kommen. Graziöser aber läuft es sich mit Schuhwerk, das zwar nicht zum Stöckeln einlädt – dafür aber zum Stapeln.

 

Und hier geht es zu einem Artikel über den Berliner Stiletto-Lauf in der „Welt“.