Women only

Hochzeit gesucht

Da hängt es nun also im Schrank und wartet auf seinen Einsatz: Mein Hochzeitskleid, ein cremefarbener Traum aus Organza.

Als ich vor 5 1/2 Jahren mein Hochzeitskleid kaufte, ahnte ich noch nichts von P.’s Anwesenheit in mir. Als ich dann 4 Monate und somit 4 Körbchengrößen später - drei Tage vor der Hochzeit - das Kleid wieder anprobierte, sah mich meine Mutter an und meinte:

 

“Du siehst aus wie Pamela Anderson. Nur irgendwie nuttiger!”

 

Da ich weder den Herzinfarkt des Standesbeamten, noch der restlichen männlichen Hochzeitsbesucher verantworten konnte, kaufte ich ein anderes Kleid. Übrigens eine unglaublich lustige Beschäftigung so kurz vor der Hochzeit und im vierten Monat schwanger. Das neue Kleid war bordeauxfarben und eine Notlösung, das schöne Originalkleid - ein cremefarbener Traum aus Organza - wanderte in den Schrank.

 

Jahre zogen ins Land und meine körperliche Verfassung verändert sich nicht gerade zu Gunsten des nie getragenen Kleides. Brüten, Gebären, Säugen und die Schwerkraft fordern so ihr Tribut.

 

Letztes Jahr kam dann endlich die Einladung zu einer Hochzeit - die Chance für mich, das Kleid zu tragen. Meine Schwiegermutter passte es meinem körperlichen Zustand an.
Perfekt.
Noch dazu sollte die Hochzeit in Frankreich stattfinden.
Überperfekt.
Perfekt war allerdings nicht, dass mein Mann eine Woche vorher am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankte und wir die Reise, die Hochzeit und somit mein Kleid-Tragen absagen mussten.

 

Da hängt es nun also in meinem Schrank. Und wartet auf seinen Einsatz. Viel Zeit habe ich nicht mehr, denn erstens werde ich nicht jünger und zweitens musste ich heute mit Schrecken feststellen, dass offensichtlich meine Eingeweide wachsen und ein wenig mehr Platz nach außen einfordern.

 

Also ladet mich bitte ein. Ich weiß mich zu benehmen, bin reinlich, genügsam und ab vier Gläsern Wein auch sehr unterhaltsam. Ab sechs Gläsern Wein unterhalte ich übrigens auch fließend in Italienisch und Spanisch!

 

Einladungen zu Hochzeiten, mondänen Dinnerparties, Galas, Preisverleihungen etc. nehme ich gerne persönlich unter bettina[at]pappalatur[punkt]at entgegen.

 


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Über die Autorin Bettina Schenk weiß man: Sie ist eine Österreicherin, die nach sechs Jahren in Hamburg weiterzog ins Berliner Umland. Ob diese Entscheidung mutig oder wahnsinnig war, versucht sie täglich herauszufinden.