Cool Tour

hör-BAR

Die Winterzeit ist die beste Zeit, um mit gutem Gewissen etwas wehmütige, melancholische und sehnsüchtige Musik zu hören. Und deshalb hier gleich zwei Tipps dazu.

Von: Carola Thurow, Foto: photocase.com und CD-Covers

vom 14.12.06

Wunderschön und schon im September erschienen ist das Album“ Damaged“ der 14- köpfigen Südstaatenband „Lambchop“. Zurücklehnen und die Gitarren in den Kopf tropfen lassen heißt das Rezept.

 

Die unendliche Traurigkeit, die in der Stimme von Kurt Wagner liegt, wird sacht abgemildert durch die vielen Instrumente, die sich wie eine schützende Hülle um die Worte legen. Und die sind Fundgruben für Lyrikfans!

Kostprobe:

 

"It takes the sum of all the kindness

       And the whole of all the  guilt

       I scramble our affection like some eggs"

 

„Damaged“ zeigt die Brüchigkeit des Körpers und der Seele vor dem Hintergrund einer schweren Krankheit, aber ohne in Selbstmitleid zu versinken. In Titeln wie „a day without glasses“ ist die Herkunft der Band aus Nashville nicht zu überhören, trotzdem ist es kein Countryalbum, sonders entwickelt einen ganz eigenen Stil jenseits aller Cowboyromantik. Es ist ein ganz und gar in sich reifes, harmonisches, schlussendlich optimistisches Werk und zu hören am besten gemäß Anweisung im Song „ Short“: “we can close our eyes and picture better days“.

 

Eine weniger melancholische, aber sehr sehnsüchtige CD ist "Remember Chet” vom umwerfend jungen Julian- und Roman Wasserfuhrquartett. Das Beste was man zu einem gediegenen Herbstfrühstück hören kann. Ja, es gibt noch etwas auf der Trompete neben Till Brönner!

 

Diese beiden Jungs machen vor wie es klingt, wenn man gerade mal 18 und 20 Jahre alt ist und keine Scheu vor großen Namen und Tönen hat. Unglaublich unverbraucht, unverschämt und trotzdem voller Achtung vor dem Großmeister Chet Baker werden Stücke wie „My Funny Valentine“ interpretiert.

 

Julian Wasserfuhr entwickelt und haucht oft die Melodien  in die Trompete und sein Bruder Roman akzentuiert, aber übertönt sie nicht mit seinem Klavierspiel. Die Symbiose der beiden macht richtig Spaß. Am eindruckvollsten im eigenkomponierten Stück: You are a friend of mine!
Das ist eines der schönsten  Zwiegespräche zwischen Klavier und Trompete der letzten Jahre.

 

Dieses Album aus der Reihe Young German Jazz lässt viel für die Zukunft erwarten.