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Hommage an den Bilderbuchpapa

Isabella Rossellini gratuliert ihrem Vater posthum zum 100. Geburtstag. Mit einem kleinen Kunstwerk. Liebevoll zusammengestellt, fotografiert und illustriert – mit Aufwand betrieben und ein wenig verrückt. Eigenschaften, die sicherlich auch ihren Vater Roberto Rossellini charakterisierten.

Von: Beatrix Altmann, Foto: SchirmerGraf Verlag

vom 13.02.07

Es gibt berühmte Künstler-Ehen, bei denen man sich wünscht, ja beinahe voraussetzt, dass sie ihre einzigartigen Gene weitervererben. Der große italienische Regisseur Roberto Rossellini und seine wunderschöne Frau Ingrid Bergman haben der Welt diesen Gefallen getan. Ein skandalträchtiges Paar zur damaligen Zeit, denn die schwedische Schauspielerin war bereits verheiratet und verließ für ihren Geliebten und späteren Gatten 1949 ihre Familie. Drei Jahre später kamen Isabella und ihre Zwillingsschwester Isotta zur Welt. „Pausbäckchen“, wie der Vater Isabella zärtlich nannte, aber war der Liebling des begnadeten Film­regisseurs und außer­ge­wöhn­­lichen Menschen. Sie verdankte ihm eine unbeschwerte und glückliche Kindheit voll un­ge­wöhn­licher Ein­drücke und Beobachtungen: „… Am besten erinnere ich mich an Dad im Bett – er lag gern im Bett – um keine Energie zu verschwenden. Man könnte es Faulheit nen­nen, ich allerdings ver­binde kör­perliche Faulheit noch immer mit der Art von spiritueller und intellektueller Weis­heit, die mein Vater besaß.“

 

Die unüber­seh­bare Leibesfülle des Familien­menschen Rossellini hatte es der kleinen Isabella ange­tan, hier fühlte sie sich behütet, liebte es, seinen „riesigen Bauch“ zu umarmen. Der exzentrische Künst­ler war offensichtlich ein Bil­der­buchpapa und so bedankt sich die Aktrice bei ihrem väterlichen Idol, das vergangenen Mai 100 Jahre alt geworden wäre, nicht schlicht mit einem Erinne­rungs­band, son­dern einem liebevoll zusammengestellten Kunstwerk. Im Mittelpunkt steht das von Isabella Rossellini verfasste und auch von ihr selbst illustrierte Drehbuch eines Kurzfilms, der eine humoristische Liebeserklärung an den berühmten Papa ist. 

 

Das gesamte Buch ist eine skurrile Hommage an den Meister des Neolibe­ra­lismus, die neben Fotos aus dem Familien­album und Bildern aus Rossellinis berühmtesten Filmen (wie „Rom, offene Stadt“, „Stromboli“ oder „Deutschland im Jahre Null“) erstmals auf Deutsch ver­öffent­lichte Interviews mit dem Italiener enthält. Die Künst­ler-Tochter beschwört die „heiligen Geister“ ihres Vaters und schlüpft in die Rollen seiner Weggefährten und Kollegen, von Hitchcock und Frederico Fellini bis Charlie Chaplin.

 

Doch sie ver­folgt mit ihrem Buch vor allen Dingen eines: die Würdigung des filmischen Nach­lasses ihres Vaters: „Warum sieht niemand deine Filme? Warum gerätst du allmählich in Vergessenheit? Ich weiß nicht, ob du eine Genie oder ein Spinner warst, Dad. Aber ich liebe dich.“