Reizthema

Ihre Lieblingsfarbe ist wie ein Regenbogen

Uli Streib-Brzic ist Expertin für Familien mit homosexuellen Elternteilen. „Vielfältige Rollenbilder sind für Kinder gut“, meint die Soziologin und Buchautorin.

Schon mal was von „Regenbogenfamilien“ gehört? Sie leben mitten unter uns in Bremen – und das ist auch gut so. Der schöne Name ist ein Synonym für eine Familie, in der eines oder beide Elternteile homosexuell sind. Die Soziologin Uli Streib-Brzic ist so eine Regenbogenfamilien-Mama – und Expertin auf diesem Gebiet.

Die roten Haare fallen der Berlinerin fransig ins Gesicht, ihre Lippen hat sie rot geschminkt – und man merkt gar nicht, dass sie nur wenige Minuten zuvor vom Bahnhof herbeigeeilt ist. „Ich bin zum zweiten Mal in Bremen“, sagt sie. Offenbar hat sie gute Erfahrungen mit der Hansestadt gemacht. Sie nickt und nimmt einen Schluck Wasser. Dann spricht sie über ihre langjährige Arbeit. Immerhin muss sie gleich im Frauenbildungszentrum „Belladonna“ einen Vortrag halten. Da werden wohl einige Regenbogen-Mamas kommen. Davon gibt es einige, das kann die Buchautorin nicht nur an den Verkaufszahlen der Neuauflage ihres „lesbisch-schwulen Babybuchs“ ablesen. Das ist ein Rechtsratgeber für Schwule und Lesben mit Kindern. Aber auch ihr Buch „Und was sagen die Kinder dazu?“ ist seit zwei Jahren ein Verkaufsschlager.

Für das hat die Soziologin gemeinsam mit Stefanie Gerlach Kinder von Schwulen und Lesben aus ganz Deutschland befragt. „Es ist wichtig, dass die Familien sehr offen mit ihrer Lebensform umgehen“, hat die 48-Jährige herausgefunden. Mit den vielen Fragen und Bedenken umzugehen – das ist die Herausforderung für Regenbogenfamilien. Denn wie gehen Homosexuelle mit einem Kinderwunsch um? Diese Frage könne nur jeder für sich selbst beantworten, meint die Expertin.

„Viele Schwule und Lesben haben Kinder aus heterosexuellen Beziehungen. Aber natürlich gibt es auch lesbische Paare, die es mit einer künstlichen Befruchtung versuchen – oder andere Wege gehen“, erklärt die Berlinerin. Und es bliebe auch noch die Möglichkeit einer Adoption oder ein Pflegekind bei sich aufzunehmen. Schwierig sei es aber auch, wenn Kinder in eine homosexuelle Beziehung hineingeboren werden. Dann muss der nicht-leibliche Elternteil eine Stiefkindadoption anstreben. „Das dauert zwei Jahre. Ich finde das diskriminierend!“, meint Uli Streib-Brzic. Ihre Stimme wird lauter, eindringlicher. Immerhin ist sie auch selbst betroffen. Ihre Tochter ist schon 26 Jahre alt – und stammt aus einer Beziehung mit einem Mann.

„Aber wir haben uns schnell getrennt, als ich herausgefunden habe, dass ich eigentlich lesbisch bin“, erzählt die Soziologin. Später hätte sie vielleicht kein Kind mehr bekommen, glaubt sie. Jede dritte Lesbe sei Mutter – und etwa jeder fünfte bis zehnte Schwule Vater. „Und etwa sechs bis neun Prozent der Bevölkerung sind homosexuell. Das sind viele Regenbogenfamilien“, rechnet die Soziologin vor und entkräftet gleich ein verbreitetes Vorurteil: „Kinder von Homosexuellen werden nicht häufiger ebenfalls homosexuell.“

Erstaunlich findet die Berlinerin, dass es Studien gibt, die erforschen, ob Homosexuelle genauso erziehungsfähig seien wie Heterosexuelle. Diese Frage sei natürlich Quatsch. Schwule oder lesbische Eltern sind also unbedenklich, sagt die Regenbogen-Mutter. Ihrer eigenen Tochter jedenfalls habe ihr Lesbisch-Sein nicht geschadet. Die sei auch mit der ein oder anderen „Co-Mutter“ groß geworden. Nur manchmal sei es für ihr Kind anstrengend gewesen, in einer Familienkonstellation zu leben, die „irgendwie immer erklärungsbedürftig ist“, sagt Streib-Brzic.

Echte Probleme habe es aber nie gegeben. „Wir haben in WGs gewohnt – und nie die klassische Kleinfamilie gelebt.“ Auch sei ihre Tochter nie gehänselt worden. Vorurteile gibt es natürlich immer noch viele. Und was kann man dagegen tun? Die Antwort der Berlinerin: Tolerant sein und vielfältige Lebensformen zulassen.