War was?

Im Dienste der Familienplanung

Tiefkühl-Eizellen und Gentests für Retorten-Embryonen

Karriere jetzt, Kinder später - die Medizin macht es möglicher denn je: Indem jetzt Eizellen eingefroren werden können und der Eintritt der Menopause für die einzelne Frau vorausberechnet werden kann, ist es einfacher als früher, den Zeitpunkt, eine eigene Familie zu gründen, immer weiter nach hinten zu verschieben - etwas, was immer mehr Frauen als nötig betrachten, um beruflich voranzukommen. Die Bereitschaft, so zeigen Studien, ist ganz offensichtlich da. Die Risiken allerdings gibt es dazu auch. Und die Wahrscheinlichkeiten mit Hilfe dieser Methode wirklich das Wunschkind zu empfangen, sind ebenso wenig ein Geheimnis. Das heisst, so planbar das alles aussehen mag, ist es doch nicht. Und der Eingriff kein Spaziergang.

Die reine "technische" Machbarkeit sollte ohnehin nicht das Kriterium sein. Am Ende steht schließlich auch die Frage, wie spät man Mutter werden will. Die Pros und Cons sind hinreichend diskutiert. Für jedes Alter spricht etwas dafür wie dagegen. Es ist ein kompliziertes Abwägen. Nur eines ist ziemlich klar: nämlich dass die Vorstellung von einem "richtigen Zeitpunkt" Illusion ist.

Passend und fast wie bestellt kommt dazu das Eizellen-Urteil zur Präimplantationsdiagnostik. Der Bundesgerichtshof fällte das - durchaus überraschende - Urteil, ein Gencheck bzw. die genetische Auswahl der gesunden Eizellen sei bei künstlicher Befruchtung erlaubt. Das ist ethisch fragwürdig, aber streng genommen nur konsequent. Denn eigentlich ist das längst erlaubt, indem wir die vorgeburtliche Diagnostik als gängige Praxis akzeptieren. Provokativ könnte man es also, wie das vergangenes Jahr schon ein Gericht tat, formulieren: "Warum ist eine 'Schwangerschaft auf Probe' im Mutterleib erlaubt, aber eine Befruchtung auf Probe im Labor verboten?"

Von einer "kühnen Interpretation" redet hier die FAZ, weil es "in der Embryonenselektion um weit mehr geht als um die Erhöhung der Erfolgsrate künstlicher Befruchtungen". Die Debatte ist eine emotionale und ein Minenfeld dazu - da es Themen wie  mögliche Diskriminierung Behinderter und Designerbabies und Co. berührt, und somit unsere gesellschaftlichen Werte und Moral.

Nun ist der konkret verhandelte Fall ein spezieller - insofern dass es jeweils um Elternpaare ging, die wussten, dass sie Erbkrankheiten hatten. Weswegen es manche als ein gutes Urteil betrachten. Doch ist es nicht so, dass solche Fälle eben nicht von der Pflicht entbinden dürfen, über die gesamte Problematik einer "Selektion lebenswerten Lebens" nachzudenken, sondern vielmehr gerade verstärkt dazu auffordern? Im Grunde ist nur eines durch das Urteil passiert: Die deutsche Gesellschaft und Politik wurde an eine lange versäumte Pflicht erinnert. "Es muss dringend geklärt werden, wie man sich zur immer genauer werdenden Diagnostik vor der Geburt verhalten will."