Cool Tour

Im Schatten der großen Mutter?

Anna Thalbach geht ihren eigenen Weg

Von: Beatrix Altmann, Foto: Homepage Anna Thalbach

vom 01.11.06

Die geborene Berlinerin ist auf der Bühne groß geworden. Während andere Sprösslinge in den Kindergarten gingen, spielte sie bereits als Säugling hinter den Theaterkulissen und beobachtete ihre berühmte Mutter Katharina Thalbach bei der Theaterarbeit im Berliner Ensemble: "Irgendeiner hat mir immer die Windeln gewechselt, während meine Mutter bei den Proben war", erzählt die zierliche Schauspielerin, die bei einer Größe von 158 Zentimetern nur 45 Kilogramm wiegt.


Und als eine Rolle ihrer Mutter  in dem Spielfilm "Engel aus Eisen“ eine Tochter verlangte, musste der Regisseur nicht lange suchen: "Unsere Ähnlichkeit ist ja nun wirklich frappierend, da lag es nahe, es einfach mal zu auszuprobieren. Die sechsjährige Anna zeigte offenbar Talent und entwickelte sich bald zu einer ernst zu nehmenden Nachwuchs-Schauspielerin, die u. a. in Streifen wie "König der Diebe" und "Der Untergang" zu sehen war und bereits mit 21 Jahren im Berliner Ensemble in der Inszenierung "Mutter Courage und ihre Kinder" auf der Bühne stand.


Ihre arglose Freude am Spielen lässt seit jeher keinen großen Platz für Lampenfieber: "Natürlich habe ich Angst vor dem ersten Drehtag oder dem ersten Probentag im Theater. Und nach wie vor ist der erste Satz ausschlaggebend. Wenn der mir fehlerfrei über die Lippen geht, ist alles gelaufen", sagt die Mimin, deren zehnjährige Tochter Nellie auch schon auf der Bühne und vor der Kamera stand.


Wahrscheinlich wurde Anna Thalbach ihre Begabung in die Wiege gelegt, immerhin stammt sie aus einem alt eingesessenen Künstlerclan: Annas Großmutter Sabine Thalbach gehörte zu den großen Brecht-Interpretinnen am "Berliner Ensemble", Großvater Benno Besson war Regisseur, und ihr leiblicher Vater ist der Berliner Theaterschauspieler Vladimir Weigel.


Doch erst mit harter Arbeit und eiserner Disziplin hat sich die 32-Jährige große Film- und Theater-engagements erspielt. Die Aktrice, die viel und gern liest und irgendwann einmal von einer zusätzlichen Karriere als Regisseurin träumt, kennt eines allerdings nicht: Angst vor der Kunst. Die hat ihr der 2001 verstorbene Regisseur und Autor Thomas Brasch, der kurz nach ihrer Geburt die Vaterrolle übernahm, genommen: " Von ihm habe ich gelernt, keine Herausforderung anzunehmen, die ich nicht auch irgendwie bewältigen kann. Das hat vielleicht mein Lampenfieber in seine Schranken verwiesen."
Nicht die Routine hat  sie gegen die Schrecken des Scheinwerferlichts immun gemacht, sondern der Respekt vor dem Beruf: "Ich habe früh gelernt, mich einzuschätzen und weiß heute, was ich kann. Man muss sich die Ziele real stecken, dann verschwinden die Ängste", erklärt die Künstlerin, die große Aufregung nur am Tag der Premiere kennt. Dann aber hat sie Panik, ihren Text zu vergessen, will nicht auf die Bühne und hat wahnsinniges Herzrasen: "Wenn alles vorbei ist, gehe ich mit Freunden etwas trinken, packe mich mit Nellie auf mein gemütliches Sofa, sie hört meine Texte ab, wir lesen oder sehen einfach nur fern."


Anna übt ihren Beruf mit Leidenschaft aus: "Ob ich eine Hör- CD bespreche, den Geschäftsbericht eines Chemiekonzerns vortrage oder wie in der aktuellen ZDF-Produktion "Alles über Anna" eine Serienrolle übernehme - es ist alles eine Frage der Lust", meint sie lachend und lässt ihren Pferdeschwanz wippen: "Auf der Bühne fühle ich mich wie in einem anderen Aggregatzustand, das muss wohl Lampenfieber sein. Dann suche ich mir einen toten Winkel oder irgendein Gesicht im Publikum, und spiele so lange in diese Richtung bis ich meine Sicherheit wieder erlangt habe."