Anderswo

Immer Ärger mit „Dummy“?

Ein Heft des Berliner Magazins „Dummy“ soll unter dem Titel „Neger“ erscheinen. Das sorgt natürlich für Protest. Aber mit solchem hatten die Macher ohnehin gerechnet.

„Wir wollen mal nicht so tun, als hätten wir es nicht kommen sehen“, erklärt Chefredakteur Oliver Gehrs freimütig. Im Redaktionsblog des „Dummy“-Magazins geht er auf die Empörung ein, die der geplante Titel der Herbstausgabe hervorgerufen hat. „Neger“ soll der nämlich heißen. Wozu auf eine solche Provokation setzen? „Um Lust zu machen auf eine anregende Debatte fern einer beschränkten politischen Korrektheit“, so lautet die Antwort. Nun ja, die Diskussion ist nun angekurbelt. Und die Antwort natürlich nur die halbe Wahrheit.

Denn selbstverständlich wissen auch die Macher von „Dummy“, was geht und was nicht. Und vor allem, wie man sich ins Gespräch bringt und für eine Heftnummer wirbt. Das Ausreizen von Grenzen gehört da zum Tagesgeschäft. Wie etwa auch bei der aktuellen Ausgabe, die gerade am Kiosk liegt und in der sich alles um die Schweiz dreht. Im Gastgeberland der EM 2008 war man vom Cover nicht nur angetan. Denn wenige Worte nehmen auf diesem das Wichtigste vorweg:

„Schweizer können kein Deutsch. Sie sind langweilig und bieder. Sie verstecken das Geld von Diktatoren und im Fußball sind sie totale Nieten. Den Rest finden Sie im Heft.“

So macht man sich natürlich nicht nur Freunde – aber auch. Schließlich ist es das, was viele Leser bei „Dummy“ suchen und an dem Magazin schätzen: eine unerschrocken-fröhliche Art, Themen anzugehen, und erklärtermaßen auch die heiklen und mit so genannten Denkverboten belasteten. Für Oliver Gehrs zählen zu diesen aber „Juden, Sex und Frauen“ erstaunlich unterschiedslos dazu. Mag sein, dass bei „Dummy“ manchmal schneller geschossen wird, als gedacht. Dennoch zeigt die Blog-Diskussion im Magazin selbst, dass auch „Dummy“-Leser nicht dumm sind.

Denn auch die durchschauen bestens, was ein „Tabubruch“ ist –und was dagegen nur ein fadenscheiniger Aufhänger. Einer, der entschuldigen soll, dass man mal richtig auf die Pauke haut, um zu Gehör zu finden.

Wie der Titel der Herbstausgabe nun am Ende heißen wird?

Darüber erfahren Sie mehr, wenn Sie in die Diskussion hineinhorchen, die im Redaktionsblog des „Dummy“-Magazins gerade am Laufen ist, – und zwar mit einem Klick hier.