Weibchenschema

Ja, wo laufen sie denn?

Frauenfußball ist auf dem Weg zur Normalität. Ist er das? Und wie viel hat er mit Emanzipation zu tun?

"Die Emanzipationskraft, die man sich von der WM im Sommer verspricht, scheint bislang eher von außen an den Frauenfußball herangetragen zu werden", analysiert die taz.  Wer den Spielerinnen Prinz, Popp und Co. eine feministische Agenda andichtet, will wohl zuviel. Und doch leisten sie einen großen Beitrag dazu, dass etwas zunehmende Begeisterung erfährt, was vor wenigen Jahrzehnten nicht nur undenkbar, sondern schlichtweg verboten war.

 

Für Frauen "ungeeignet"

 

"Wenn meine Frau spielt: Scheidung!" Mit dieser Bemerkung eines ehemaligen Hertha-Spielers ist ein aufschlussreicher Artikel über die Geschichte des Frauenfußballs überschrieben, der einen Überblick über einen Start mit Hindernissen gibt. Auch heute noch ist es mit der Wertschätzung des Frauenfußballs seitens der Männer nicht weit her. Doch damals äußerten sich die Herren der Schöpfung noch unverhohlener darüber, dass Frauen ihrer Ansicht nach nichts auf dem Fußballfeld verloren hätten. Das Urteil der DFB-Männer in den 50er Jahren war harsch - das zeigt sich anschaulich an einem Zitat des damaligen Bundestrainers Helmut Schön, der meinte: "Die Frau ist von der Natur her nicht für diesen Sport geeignet." Heute sind wir da wesentlich weiter. Gott sei Dank. Und die Vorbilder unzähliger Mädchen heißen nicht mehr nur Özil und Neuer, sondern Prinz und Angerer.

 

Trotzdem ist der Frauenfußball vom großen Durchbruch noch weit entfernt. Daran wird auch die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 nicht viel ändern können. Noch nicht. Für die einzelne Spiele sind kurz vor dem Start erst 75 Prozent der Karten verkauft. Die Nachfrage in NRW  - "im Land von Meister, Vizemeister und DFB-Pokalsieger" - sieht beispielsweise noch bescheiden aus, manche Stadien dort haben erst 10.000 Ticktes verkauft. Die Fußballerinnen müssen sich ihre Anerkennung bei den Massen immer noch schwer erspielen. Da helfen auch Panini-Bildchen nicht viel.

 

Klischeefallen

 

Das mag auch daran liegen, dass der Frauenfußball momentan etwas zu sehr auf seine Außenwirkung abzielt und besorgt darauf achtet, ein bestimmtes Image abzugeben und gleichzeitig zeigen will: Fußballerinnen sind nicht anders als andere Frauen, nur dass sie eben Fußball spielen können. Schade nur ist: Damit tappen sie in die Falle der Marketingstrategen, die meinen, man müsse die Profispielerinnen nun so sexy und weiblich wie möglich präsentieren. Wenn das mal nicht nach hinten losgeht. Manch eine fragt sich konsterniert "Warum inszeniert sich der Frauenfußball zur WM als Sport für Tussis?" Wird - wie es derzeit geschieht - Frauenfußball als Girliesport dargeboten, mag das vielleicht viele Mädchen spontan ansprechen, aber auch viele andere verprellen - insbesondere jene, denen es vor allem um das Spielen geht und weniger die Fassade. Vor allem aber wird es diesem Sport nicht zu dem verhelfen, wonach er so dringend ringt: Anerkennung und Popularität, wie sie der Männerfußball genießt.

 

Unglücklich in diesem Zusammenhang wirkt auch die Fotostrecke im aktuellen "Playboy". Die dort abgelichteten Bundesligaspielerinnen vermögen vielleicht das Vorurteil der "kickenden Mannsweiber" ausräumen. Doch untermauern sie gleichzeitig damit das Klischee von der unterwürfigen Weiblichkeit, die sich in gängiger "Softpornoästhetik" willig in den Dienst der Männer (als Playboy-Leser) stellt.  "Diese heißen Bilder begeistern nicht nur Fußball-Fans...", kommentiert prompt die "Bild". Ob es diese Sorte Beifall war, welche die Fußballfrauen im Sinn hatten? Wie viel davon dient tatsächlich "der öffentlichen Anerkennung als freche, selbstbewusste junge Frauen" und wie viel davon bedient lediglich den Wunsch nach "Anerkennung in der alten männlichen Macht- und Bilderordnung"?


Nur sexy und figurbetont eine Frau?

 

Es ist ein Unbehagen, das sich breit macht angesichts des Bildes, das Funktionäre, Sponsoren und Medien derzeit vom Frauenfußball zeichnen - sexy, rausgeputzt und figurbetont - unter hemmungslosem Rückgriff auf Weiblichkeitsstereotype. Spielerinnen des WM-Kaders lassen neuerdings keine Gelegenheit aus, zu betonen, dass sie gerne shoppen gehen. "Ist es wirklich so, dass nur wer einen Schuhfimmel hat, in unserer Gesellschaft als richtige Frau wahrgenommen wird?", fragt zu recht Eva Berendsen unter "Shoppen mit Tante Käthe" in der FAZ.

 

Vielleicht wäre die weibliche Nationalelf gut beraten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Denn eigentlich wollen und können sie doch vor allem eines - Fußball spielen. Das heißt, ihr Bestes in einer Sportart geben, die sie mit Feuereifer und Herzblut betreiben. Nicht weniger. Und nicht mehr. Das überzeugt immer noch am meisten.