Women only

Jugend - na und?

Ohne Verpflichtung und ohne Geld. Den Blick stolz nach vorn gerichtet. Die Macher von morgen. Jung, frisch und knackig. Die Welt gehört uns!

Sie gehörte uns.

Das Alter, in welchem die vermeintliche Jugend bereits 20 Jahre zurückliegt, ist wohl dieses, wo man sie am allermeisten vermisst. Jenes Alter, in welchem wir sinnkrisengebeutelt und geistesabwesend durch unseren schnelllebigen Alltag schwanken. Unzufrieden, unleidlich und unglücklich. Und auf der Suche. Nach dem Lebenssinn, nach der wahren Liebe und nach unserer tatsächlichen Bestimmung. Die war einmal, dass wir uns ein gemütliches Nest voller Kinder bauen, uns im Traumjob entfalten und sich bei der Gelegenheit eine anständige Geldquelle auftut. Verliebt haben wir mit dem Partner auf die Zukunft gesetzt und dies beherzt in die Ringe geschnitzt.


Freiheit, Südspanien und Szeneparties!

 

Bevor wir uns dazu entschlossen, ließen wir zweifelsohne die Puppen tanzen. Unsere Freiheit genossen wir in vollen Zügen Richtung Norden und im vollsten aller Reisebusse gen Süden. Heute mit leichtem Köfferchen nach Südspanien und morgen berucksackt zu Rock am Ring. Jung, unbeschwert und frei. Selbstbewusst durchtanzten wir die Nächte und waren Gast jeder Szeneparty. Spontan fühlten wir uns missverstanden, und leidenschaftlich rebellierten wir gegen alles und jeden. Sorglos, beladen mit Ideen, Träumen und Visionen meisterten wir alles, wozu wir uns im Stande fühlten! Ohne Verpflichtung und ohne Geld. Den Blick stolz nach vorn gerichtet. Die Macher von morgen. Jung, frisch und knackig. Die Welt gehört uns!

 

Sie gehörte uns. Bis sich etwas anschlich, was wir nicht so recht beschreiben können. Langsam und auf leisen Sohlen. Weder schwarz noch weiß. Es riecht nach Routine, schmeckt vergleichsweise fad und fühlt sich irgendwie leer an. Zuweilen erleben wir uns als einen müden Tümpel, der auszutrocknen droht oder wie ein jungfräuliches Blatt Papier, das nach einer reißerischen Story lechzt. Andererseits aber rotieren wir wie ein heftiger und heißblütiger Wirbelsturm im Golf von Bengalen.

 

Die Zeit zwischen Kindheit und Erwachsenwerden

 

Nein, wir sind nicht wirklich darauf vorbereitet, was sich hier in unser Leben frisst. Während wir edel behütet und in weißen Leinen vom City-Beach zum Edelitaliener eilen und zwischen Fitnessclub und Poker-Stammtisch noch die Zeit finden, die Kids auf dem Sportplatz abzuladen, ertappen wir uns tatsächlich dabei, wie wir von unserer Jugend träumen. Erschöpft, aber glücklich verlassen wir nach zähen und mühsamen Verhandlungen den Flieger aus London und freuen uns auf einen gemütlichen Familienabend. In der Zwischenzeit vermissen wir unsere Jugend. Mitten im Segelkurs und unmittelbar vor Beginn des Gründerseminars sind wir Zeuge unserer sehnsüchtigen Gedanken ob der abhanden gekommenen Jugend. Pendelnd zwischen Langlauf und Südsee, Wellness-Trip und Städtereise, Mottoparty und Familientreffen, versuchen wir zu erkunden, warum sich unsere Jugend so wahnsinnig schnell verflüchtigt hat.

 

Ja - wir haben alles verloren! So scheint es, so fühlt es sich an. Die Zukunft hatte bereits begonnen, noch ehe wir bereit dafür waren. Eine intelligente Freifrau des neunzehnten Jahrhunderts fand heraus, dass das Alter, das man gern hätte, das Alter verdirbt, das man hat. Und bei Lichte betrachtet, ist das nicht direkt abwegig. Die Jugend ist zweifelsfrei der unbeschwerteste und leichteste aller Lebensabschnitte. Gefestigt, entspannt und gelassen blicken wir, nun in den besten Jahren, schmunzelnd und wissend auf die geliebte Zeit zwischen Kindheit und Erwachsenwerden zurück und sind dennoch froh, unsere Identität schließlich doch noch gefunden zu haben.

 

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Marlene Sandberg lebt und arbeitet im Großstadtdschungel und hat kürzlich ihren Spaß am Schreiben entdeckt. Sie fotografiert und reist gern und findet, dass sie sich ruhig mal im Fitnessstudio anmelden könnte.

 

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