Kerle & Küche

Käsespätzle

Wenn Männer "wie von Muttern" kochen. Das vegetarische Hausgericht - auch für Fleischesser.

Von: Claudius Holzwarth, foto: Claudius Holzwarth

vom 04.04.07

Ich koche wirklich gern. Wenn auch nur wirklich sehr selten Heimattypisches (bei mir hieße das Schwäbisches). Nicht weil ich schwäbisches Essen nicht mag, ich koche einfach immer nur etwas anderes.


Eigentlich habe ich erst zweimal in meinem Leben schwäbisch gekocht. Das eine mal als ich für ein Jahr in einer sehr multikulturellen WG in London gelebt habe. Dort kam ich auch das erste Mal in den Genuss von selbstgemachten Sushi, mein italienischer Mitbewohner zauberte die beste Pizza meines Lebens und Ming aus Thailand zeigte mir, was scharfes Essen bedeutet. Die Engländer, die an diesen Essen anwesend waren, beschlossen immer nur zum Essen zu kommen und das Kochen den Ausländern zu überlassen, was vielleicht besser so war...(um mal ein altes Klischée zu bemühen).


Nun, irgendwann war ich dann mit Kochen an der Reihe. Ich überlegte lange, was es denn werden sollte und entschied mich schließlich für Schwäbisches. Immerhin war ich dort derzeit der einzige Schwabe und so hätte es keiner gemerkt, wenn das Essen nichts geworden wäre. Extra ließ ich mir von meiner Mutter eine original Schwäbische Spätzlepresse schicken und überredete sie sogar dazu, mir das Familienrezept für Spätzle mit Geschnetzeltem zu verraten.

Es gelang mir. Es gelang mir so gut, dass es auch alten Schwaben geschmeckt hätte! Ich war ungemein stolz auf mich!


Nun ist London schon eine ganze Weile her und mittlerweile hat es mich nach Berlin verschlagen. Auch hier koche ich alle möglichen leckeren Sachen, aber an Schwäbischem habe ich mich nie wieder versucht. Auch in Berlin habe ich einen relativ multikulturellen Freundeskreis (Berliner sind in Berlin eindeutig in der Minderheit), auch hier werde ich ständig in einer anderen landestypischen Art und Weise verköstigt und so war ich dann irgendwann wieder dran mit kochen. Nur wurde diesmal die Entscheidung nicht mir überlassen, sondern es gab den einstimmigen Wunsch nach Schwäbischen Käsespätzle!


Hier nun das Rezept für Schwäbische Käsespätzle. (Auch wieder ein echtes Familienrezept natürlich.)

 


Die Mengenangaben sind für vier hungrige erwachsene Menschen ausgelegt!


500 Gramm Mehl

5-6 Eier

Ein bisschen lauwarmes Wasser

Eine Prise Salz.

500 Gramm Reibekäse. (Die Familie empfiehlt Greyerzerkäse)


Geben Sie die Eier und das Salz in das Mehl und schlagen Sie daraus einen Teig. Sollte der Teig zu staubig sein, geben Sie ein bisschen lauwarmes Wasser dazu. Der Teig ist fertig, wenn es eine klebrige leicht gelbe Masse ist, die weder so flüssig wie Eierkuchen Teig ist, noch so fest wie Plätzchen Teig. Ich denke, Sie wissen schon was ich meine...

Nun bringen Sie das Salzwasser zum Kochen. In der Reichweite des Topfes mit Salzwasser auf dem Herd brauchen Sie eine Schüssel mit kaltem Wasser. Wenn das Wasser kocht, geben Sie eine kleine Menge Teig in die Spätzlepresse und drücken Sie dann den Teig durchgehend und zügig in das Wasser. Sobald die Spätzle fertig sind, schwimmen sie oben am Wasser und können abgeschöpft werden und sollten in die Schüssel mit kaltem Wasser gegeben werden.


Ist der Teig zu Spätzle fertig verarbeitet, hier ein kleiner alter Hausmuttertipp bevor es mit dem kochen weiter geht! Reinigen Sie die Spätzlepresse sofort unter kaltem Wasser! Sonst dauert es später Stunden bis Sie die trockenen Teigreste entfernt bekommen!


Nun reiben Sie den Käse mit einer Käsereibe. (Kann natürlich auch schon vorher gemacht sein). Streichen Sie eine Auflaufform mit Butter ein. Heizen Sie den Ofen vor. Jetzt kommt eine Schicht Spätzle in die Form und darauf eine Schicht Käse. Das geht so weiter bis die Spätzle aufgebraucht sind. Den restlichen Käse auf den Spätzle verteilen und ab in den vorgeheizten Ofen. Nun drei normalgroße Zwiebeln würfeln und in Butter braun anbraten lassen. Die gebratenen Zwiebeln können gleich auf den Käsespätzle im Ofen verteilt werden oder erst nachdem sie fertig sind.

Fertig sind die Käsespätzle, wenn die obere Schicht leicht goldbraun angebacken ist.


Dazu empfehle ich Ihnen Grünen Gemischten Salat.


Ich wünsche einen guten Appetit.


P.S. Wer keine Spätzlepresse hat, kann die Spätzle auch reiben. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte!