Women only

Kauft Schuhe, Mädels!

„Gönn Dir was Schönes, Liebling“ sagt mein Mann. Und meint eigentlich damit, ich bin mal wieder ungenießbar. Er gehört zur Sorte Mensch, die glaubt, Shopping helfe - besonders Frauen - gegen schlechte Laune. Irrtum. Riesen-Irrtum! Einkaufstouren strapazieren meinen Gemütszustand nur noch mehr.

Von: Bärbel Kerber, Foto: stock.xchng

vom 21.03.07

Nicht dass ich es noch nie versucht hätte: Ich bin durchaus schon das eine oder andere mal losgezogen im festen Vorhaben, schicke Klamotten zu ergattern, bis die Kreditkarte sich biege. Beseelt von der Hoffnung, ich würde mir dadurch grandios und glamourhaft vorkommen, bin ich durch die Strassen gezogen– auf der Suche nach dem entsprechenden Kick für Selbstbewusstsein und Seelenzustand. Doch Pustekuchen! Ein Gang in die Umkleidekabinen ist die sicherste Methode, sich wieder mal richtig mies zu fühlen. Kein Licht auf dieser Erde ist gnadenloser als die tausendfach in deutschen Damenanproben vorzufindenden Neonröhren. Körperliche Schwachstellen wirken wie unterm Vergrößerungsglas. Bleiche Haut und ungeliebte Speckröllchen erscheinen überdimensional. Die Sünden der letzten Wochen und Monate werden unbarmherzig ans kalte Kunstlicht befördert.

 

Ob den Kaufhausmanagern klar ist, wie geschäftsschädigend diese Unsensibilität ist? Feuert eure Innenausstatter! Jetzt. Und die Chefeinkäufer gleich mit. Wie soll denn auch eine tiefer-geht-es-nicht-mehr-liegende Hüfthose – im Extremfall gepaart mit bauchfreiem Top - gut an eurer kaufwilligsten Kundschaft aussehen? Frauen im besten Alter haben eventuell ansehnlichen Sümmchen auf ihren Girokonten, aber eben nicht mehr unbedingt die Straffheit eines Teenagers, die man braucht, um sich in eng anliegender Kleidung nicht zur Lachnummer zu machen. Auch wollen sie ungern eine Nierenbeckenentzündung riskieren oder bei jedem Bücken ihren Allerwertesten entblößen. Ich habe mich mal auf so eine „low-cut“-Jeans eingelassen und mühsam versucht, den Tag in aufrechter Position zu verbringen. Das Resultat: Ich band eine Strickjacke um die Hüften, was nur marginal besser aussah. Am Abend stopfte ich die Hose in die Sammeltüte der Björn-Steiger-Stiftung. Was eigentlich ein ziemlich mieser Zug von mir war. Denn ich bezweifle, dass selbst noch so bedürftige Menschen sich an dieser Fehlkonstruktion ehrlich erfreuen können.

 

Wenn die Laune dann beim Frustshopping am Gefrierpunkt angelangt ist, verspricht nur noch etwas wirklich Aufbauendes echte Abhilfe. Kosmetik zum Beispiel. Die ist unverfänglich. Rein wissenschaftlich betrachtet verschönt mich zwar eine Luxuscreme auch nicht unbedingt. Aber zumindest sehe ich mit ihr nicht mieser aus als vorher. Den gleichen Wohlfühl-Effekt haben übrigens Handtaschen. Und Schuhe, ja Schuhe. Das sind risikolose Einkäufe. Daran gibt es nichts Demütigendes. (Es sei denn, frau ist mit Schuhgrösse 43 gesegnet.) Ich behaupte schon immer, das ist der wahre und einzige Grund, warum Frauen häufig erstaunliche Sammlungen an Schuhen haben.

 

Schuhtick nennen es die Männer gerne abfällig. Meiner nicht mehr. Er hat dazu gelernt. Er kann mittlerweile schon treffsicher prognostizieren, was angesagt ist, wenn ich von einem Einkauf zu Hause ankomme. Entweder ich bringe Schuhe mit. Viele Schuhe möglichst. Oder er geht mir besser aus dem Weg. Die Frage, die mich neuerdings wirklich umtreibt, ist: Was machen eigentlich Männer bei schlechter Laune? Kaufen die etwa wirklich Bohrmaschinen?