Starke Frauen

Keine Kopftuchrollen mehr!?

Eigentlich wollte sie nie wieder für einen Film ein Kopftuch tragen. Aber dann wurde der Schauspielerin Pegah Ferydoni eine Rolle angeboten, die sie gerne annahm: In der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“ spielt sie die Muslima Yagmur, die sich Kopftuch tragend von einem liberalen Vater emanzipieren möchte. Für die 24-Jährige war diese Rolle auch eine Einladung, so manches Klischee auf den Kopf zu stellen.


Yagmur Öztürk lässt sich morgens um fünf Uhr von einem Wecker, der die Form einer Moschee hat, zum Gebet wecken und trägt auch zuhause ein Kopftuch. Die Muslima ist die Heldin in der ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“, die in diesem Jahr mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Gespielt wird das 15-jährige Mädchen von Pegah Fery­doni, einer gebürtigen Iranerin, die in Berlin aufgewachsen ist. Mit ihrer Serienfigur hat sie auf den ersten Blick we­nig gemeinsam – keine Gebete, kein Kopftuch und auch nicht das Alter: „Ich bin jetzt 24, also beinahe zehn Jahre älter. Da muss ich beim Bewegungsablauf und bei der Stimme schon da­rauf achten, dass alles so jung wie möglich wirkt.“


Schwarze lange Haare, lachende Augen und ein offener Blick – Pegah Ferydoni ist eine selbstbewusste junge Frau, die mit ihrer Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit auffällt. Ein Kopftuch hat sie nie getragen. Mit zwei Jahren kam sie mit ihren Eltern, die beide Musiker sind, nach Deutschland, weil die Familie vor dem damaligen Regime flüch­­­ten musste. In Reini­ckendorf aufgewachsen, spricht die junge Frau fließend Berliner Dialekt. Seit ihrer Jugend singt sie in einer Band. „Ich liebe die Bühne seit meiner Kindheit schon und habe meine Hausaufgaben regelmä­ßig in der Kantine des „Ber­­li­ner Ensemble“ gemacht, um Theaterluft zu schnup­pern.“


Recht bald bot man dem wiss­be­gierigen Mädchen eine Hospitanz an, wenig später stieg die knapp 18-Jäh­rige zur Assis­ten­tin des musika­lischen Leiters auf. Es folgten erste Epi­sodenrollen in „Groß­­stadt­re­vier“, „Der letzte Zeuge“ und „Alphateam“, am Hebbel-Theater spielte sie im vergangenen Jahr in Feridun Zaimoglus Stück „Schwar­ze Jungfrauen“. Eine Schauspiel­aus­bildung hat Pegah Ferydoni, die mit ihrem Kollegen und Verlobten Adrian Topol in Mitte wohnt, bisher nicht ge­braucht. Oft aller­dings wur­den ihr Figuren mit so genanntem Migrations-Hin­tergrund angeboten: Sie sollte junge Mäd­chen spielen, die ihr Haar verhüllen und nur gebrochen deutsch sprechen.


So stellen sich immer noch viele Deutsche muslimische Frauen vor, und das Fern­sehen greift die­se Klischees auf, vermu­tet Pegah Fery­doni. Keine Kopftuchrollen mehr! Das hatte sich die Schau­spielerin vor ein paar Jahren ge­schwo­ren. Als sie im Jahr 2005 jedoch das An­ge­­bot erhielt, die streng gläubige Yagmur Öztürk zu spielen, stimmte sie sofort zu: „In den meis­ten Filmen, in denen ich mit Kopftuch gespielt habe, ging es ein­fach nur darum, die Per­son als Muslima kenntlich zu machen, oder um einen folklo­ris­­tischen Hintergrund. Bei der Figur Yagmurs steht die Kopfbedeckung in einem ganz ande­­­ren Kontext: Sie möchte sich von ihrem libera­len Vater emanzipieren und ist im Grunde genommen ein ganz normaler Teenager, der seinen Weg sucht.“

 

Während im Mai die 2. Staffel der ARD-Serie zu Ende ging, war Pegah Ferydoni erstmal mit anderem beschäftigt: In Marokko stand sie nämlich für „Sum­mer 53“ vor der Kamera – einem Kinofilm, in dem sie ausnahms­weise mal ganz sich selbst spielen konnte: eine junge Iranerin, die mitten im Leben steht.

Ab Herbst geht es dann wieder weiter mit 16 neuen Folgen „Türkisch für Anfänger“.