Starke Frauen

Kleopatra – ägyptische Hure, berechnende Femme fatale, weise Schönheit?

Vergöttert und verflucht – Zeit ihres Lebens (69-30 v.Chr.) schwebt Kleopatra zwischen diesen beiden Extremen.

Von: Verena Manhart, Fotos: wikipedia und buceriuskunstforum.de

vom 01.02.07

Nach ihrem Tod entstand der "Mythos Kleopatra", der bis heute Maler und Musiker, Regisseure und Schriftsteller fasziniert und inspiriert. Und so entwickelt sich in jeder Zeit eine eigene Kleopatra-Interpretation. Bei Shakespeare wird sie zu einer liebeskranken und jähzornigen Hexe, die von Marcus Antonius abhängig ist und von niemandem richtig ernst genommen wird.

 

In den beiden berühmtesten Verfilmungen Mitte des 20.Jahrhunderts entstehen dann zwei völlig unterschiedliche Deutungen der Kleopatra: Vivien Leigh verkörpert 1945 in George Bernard Shaws "Caesar und Cleopatra" ganz die naive Kindfrau, verspielt und unfähig, eine Königin zu sein. Erst Caesar, der „komische alte Mann“, muss ihr den Weg weisen und dem ungläubigen Mädchen versichern, dass die Römer ihre Feinde keineswegs bei lebendigem Leibe auffressen. Sie gewinnt Gefallen an der Herrschaft über Andere, hat aber keinerlei politisches Geschick und verhält sich wie eine trotzige Göre. Ihr fehlt es an Klugheit und Energie.

 

Ganz anders dagegen ist die Darstellung der Kleopatra durch Liz Taylor (1963). Diese Ägypterin hat von Anfang an ein Ziel vor Augen: Die gemeinsame Herrschaft von Alexandria und Rom mit Caesar zum Wohle der ganzen Welt. Und sie verfolgt es mit Tatkraft und Weisheit und nicht zuletzt auch mit dem Einsatz ihres Charmes und ihrer Anmut.

 

In der bildenden Kunst sind immer wieder zwei Szenen aus Kleopatras Leben beliebte Themen: Zum Einen das Gastmahl, das Kleopatra für Antonius gibt, um ihn nach Caesars Tod für sich zu gewinnen und mit ihm ihr Ziel zu erreichen. Und zum Anderen der Selbstmord Kleopatras durch einen Schlangenbiss, der zwar keineswegs historisch belegt ist, sich aber festgesetzt hat in den Köpfen so und ja auch einen wunderbar dramatischen und zugleich erotischen Schlusspunkt für das Leben dieser einzigartigen Königin setzt.

 

So wie ihr Ableben durch das Schlangengift ist auch ihre Schönheit nicht zweifelsfrei belegt. Auf den Münzen der Antike sieht sie verknöchert und ausgelaugt aus. Doch immer  wieder haben auch Kleopatras Widersacher – und davon gab es einige – dafür gesorgt, ihr Abbild und Ansehen für die Nachwelt zu verzerren. Allen voran Gaius Cilnius Maecenas, ein enger Berater von Kleopatras Gegner Oktavian. Dieser regte die römischen Dichter zur "Beschimpfung der ägyptischen Lady" an, wie Bernard Andreae im Katalog zur Ausstellung "Kleopatra und die Caesaren" im BUCERIUS KUNST FORUM  in Hamburg anmerkt. Von besagtem Maecenas, von dem übrigens der Kunstmäzen seinen Namen hat, ist in dieser Ausstellung auch erstmals ein Bildnis zu sehen, ein Portraitkopf aus Marmor (um 20-16 v.Chr.).

 

Eine weitere Besonderheit der Hamburger Ausstellung ist, dass dort ebenfalls zum ersten Mal Kleopatras Kinder um sie versammelt werden. Da ist natürlich ihr erster Sohn, der als einziger leiblicher Nachfolger von Caesar gilt und der spätestens durch die Verfilmung von 1963 allgemein bekannt ist. Dieser Sohn, Kaisarion, wurde nach Kleopatras Tod von Caesars Nachfolger und Adoptivsohn Oktavian umgebracht, da dieser fürchtete, Kaisarion würde ihn vom Thron stoßen. Weniger bekannt hingegen sind Kleopatras andere Kinder, die im Jahre 40 v.Chr. geborenen Zwillinge Alexander Helios und Kleopatra Selene sowie der 4 Jahre später folgende Sohn Ptolemaios Philadelphos. Der Vater dieser drei Kinder war Marcus Antonius, der diese auch als die seinigen anerkannte und seine Söhne laut historischen Quellen zu "Königen der Könige" ernannte.

 

Die im BUCERIUS KUNST FORUM gezeigten Bildnisse von Kleopatras Kindern sind eine besondere Attraktion. Sie lassen die ägyptische Königin in einem neuen Licht erscheinen: Als fürsorgliche Mutter im Kreise ihrer Familie.

 

Und einmal mehr wird man sich bewusst, wie viele Facetten diese Frau hatte: Ihr großes Ziel einer gemeinsamen Herrschaft von Ägypten und Rom; ihr uneingeschränkter Einsatz dafür mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen; die Liebe zu ihrem Land, die fast größer gewesen zu sein scheint als die Liebe zu Caesar und später zu Antonius; die Verantwortung für ihr Volk und ihre Kinder und schließlich ihr ungeklärter Tod mit 39 Jahren, von dem wir – wenn es denn wirklich Selbstmord war – wohl nie erfahren werden, ob er aus Schmerz über den Tod Antonius’ oder aus Resignation erfolgte.

 

So unterschiedlich die Deutungen ihrer Person sind und so unergründlich ihr Aussehen, ihr Wesen und ihre persönlichen Gedanken auch sein mögen, fest steht eines: Kleopatra war in jeder Hinsicht unzweifelhaft eine starke Frau. Das bestätigt Bernard Andreae mit seiner Würdigung, mit der sich Frauen einer jeden Generation auseinandersetzen sollten:

 

"Mannhaft kämpft sie (Kleopatra) mit den Waffen der Frau."

 

 

 

Auf Hamburgs schönster Plattform für Kunst, dem BUCERIUS KUNST FORUM, war bis zum 4. Februar 2007 die wundervolle Ausstellung „Kleopatra und die Caesaren“ zu sehen. Sieben Neuentdeckungen präsentierte der Gastkurator Bernd Andreae. Das zentrale Objekt war die Statue von Esquilin, die als Kleopatra-Darstellung neu interpretiert wird. Jetzt kann man das Ganze immerhin noch im Katalog nachschauen.

Ein guter Anlass, sich einmal Gedanken zu machen -   über den "Mythos Kleopatra"...