Kerle & Küche

„Köttbullar – die echten“

Nicht, dass Thomas nicht auch selber schreiben könnte. Könnte er. Will er aber nicht. Kochen schon.

Von: Thomas Gentzschein + Gabriela Häfner, Fotos: pixelroiber/flickr.com, stock.xchng

vom 19.02.07
Links:

 

Köttbullar>>

„Was meinst du denn damit?“ frage ich Thomas, der neben mir steht und mir gerade ein Rezept für schwedische Fleischklößchen in die Tastatur diktiert. Nicht, dass Thomas nicht auch selber schreiben könnte. Könnte er. Will er aber nicht. Kochen schon. Schreiben nicht. Kein Problem, denke ich, kommt eben manchmal vor, dass jemand nicht beides möchte, und nicht nur bei Männern. Auch bei Frauen („schreiben schon, kochen nicht!“). Und was Miss Tilly angeht: hier gilt eben gleiches Recht für alle!

 

Und deshalb stehen Thomas und ich jetzt vor meinem Laptop, und ich übernehme das Tippen, während er sich ganz dem platonischen Kochen hingibt. „Köttbullar – die echten!“ sagt er plötzlich und ich blicke ihn verwundert an „Was meinst du denn damit? Die echten?" Thomas guckt mich an. Schweigen. Etwas steht zwischen uns. Eine Antwort, die ausbleibt. Eine Frage, die ich vielleicht nicht hätte stellen sollen? „Eben nicht diese Fleischklößchen vom Möbelhaus“, sagt Thomas schließlich, und das klingt irgendwie so, als hätte da jemand etwas sich zu Schulden kommen lassen.

 

Ich überlege, und dann fällt mir ein: Thomas kommt aus Schweden und Schweden ist weit von hier. Jedenfalls weiter als das Möbelhaus um die Ecke. Was immerhin denkbar macht, dass Dinge hierzulande zu leicht für ein- und dasselbe genommen werden. Frikadellenkult etwa für skandinavische Lebensart. Was immerhin so wäre, als verwechselte man einen röhrenden Hirsch in Öl mit einem Elch in Echtzeit. Was wiederum Thomas Recht geben würde und seiner unüberhörbaren Empörung.

 

Aber ehrlich gesagt: Ich kenne die Möbelhaus-Bouletten gar nicht. Habe also auch keine Ahnung, was an denen falsch sein könnte. Und  vielleicht ist es ja auch so, dass Thomas hier in eine Falle tappt? Wie war das noch mal? Das Gras ist grüner und der Himmel ist blauer und die Küche die einzig wahre – dort, wo man herkommt.

 

So oder so. Wenn Thomas kocht, wie etwa hier Köttbullar oder Gravad Lax, dann stellen sich bestimmte Fragen eigentlich gar nicht. Skandinavische Küche? Sicher. Aber eine, die so schmeckt – als sei sie ohnehin nicht von dieser Welt!

 

 

 

Köttbullar – die echten (4 bis 6 Personen)

 

Zutaten:

 

600 g Gehacktes vom Rind

2 mittelgroße Zwiebeln

1 Handvoll Semmelbrösel

1 Ei

1 Schuss Sahne

Salz und Pfeffer (ziemlich reichlich, es sollte für viele Bällchen ausreichend sein!)

 

Die Sauce:

 

200g Pilze (mit gutem Geschmack)

400 ml Sahne

4 Schalotten

frische Preiselbeeren oder Johannisbeeren

frischer Thymian

 

 

Vorbereitung:

 

Zwiebeln klein schneiden und leicht anbraten. Fleisch, Semmelbrösel, Sahne, Ei und Zwiebeln zusammenmischen zu einem „Teig“ (darf nicht zu flüssig sein, lieber fester). Mit Hilfe eines Teelöffels Bällchen formen und von allen Seiten in Butter anbraten (nicht zu viele in der Pfanne gleichzeitig). Wenn alle Fleischbällchen gebraten sind, die Bällchen ruhen lassen und die Pfanne mit Portwein ablöschen.

 

Pilze vierteln und Schalotten klein schneiden. In einer Pfanne mit Butter braten (ca. 10 min). Mit Portwein ablöschen. Fleischbällchen und Pilz-Schalotten-Mischung in einem Bräter sammeln und dazu Sahne geben. Ein paar Minuten köcheln lassen und am Ende ein wenig Thymian und eine handvoll Beeren dazugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Köttbullar werden am besten mit Salzkartoffeln und Preiselbeerenmarmelade serviert.

 

 


Gravad Lax (gebeizter Lachs) mit Senf-Dill-Sauce Hauhofmeister-Art

 

Zutaten:

 

1 kg Lachsfilet (in 2 gleich großen Stücken, mit Haut und ohne Gräten)

200 g Dill

Salz und Zucker, zu gleichen Teilen mischen (eine Handvoll im Ganzen) und mit grob geschrotetem weißen Pfeffer mischen

Honig (milder flüssiger, z. B. Lavendelhonig passt gut)

 

 

Sauce:

 

1 Teil  Zucker, 1Teil süßer Senf (z. B. Bayrische Art)

½ Teil Pflanzenöl (nicht Olivenöl)

ca. 0,3 Teile Balsamico

fein gehackter Dill

 

 

Der Lachs muss 48 Stunden mariniert werden. Die Filets auf der Hautseite einschneiden (ca. 3 Schnitte). Anschließend massiert man die Salz-Zucker-Pfeffer-Mischung in das Fleisch ein. Restliche Mischung (dünne Schicht) drauf lassen. Auf eine Filethälfte den Dill legen und auf beide Hälften eine dünne Schicht Honig. Zum Schluss beide Hälften zusammenlegen, so dass dünne Seiten gegen die dicken liegen. Das ganze in einen verschließbaren Beutel und/ oder in eine passende Form legen (nicht viel größer als der Filethaufen selbst, so dass der Fisch in seinem Saft liegen kann) und so, dass der Fisch abgedeckt ist. 6 Stunden bei Zimmertemperatur lassen, dann umdrehen und in den Kühlschrank für 42 Stunden, etwa alle 8 Stunden wenden.

Nach der Marinierzeit den Fisch herausnehmen, Dill und Zucker-Salz-Pfeffer-Mischung mit Papier abstreifen und den Lachs in dünne Scheiben schneiden. Für die Sauce alle Zutaten bis auf den Dill zusammenmischen (und verrühren, bis alles glatt ist). Zum Schluss den Dill dazutun und die Sauce kalt stehen lassen.

 

Den Gravad Lax mit Toast, Salat und/oder Kartoffeln servieren.