Anderswo

„Lass das mal den Vati machen...“

Von neuen Vätertypen und neuen Helden.

Von: Bärbel Kerber, Fotos: stoch.xchng

vom 20.04.07

Jetzt haben wir sie – die neuen Helden – und prompt gebärden sie sich so übertrieben perfekt, dass es anscheinend wieder nicht passt? Von den neuen Super-Daddies ist die Rede, von denen mancher allzu gerne sein autodidaktisch erlerntes Wissen über die Zubereitung von selbstgemachten Babybreis über die Wichtigkeit fester Bettroutinen hin zu gewaltfreier Konfliktlösung auf dem Spielplatz unter die Leute bringt. Am meisten gehen die Überväter damit aber wohl ihren männlichen Geschlechtsgenossen auf die Nerven. Während wir Frauen es grundsätzlich begrüßen, wenn die Väter zu besseren Müttern mutieren.


Die Männer wissen schon: Ganz oben auf der Wunschliste der Frauen ist ein Partner, der beim Nachwuchs beherzt anpackt und ohne zu Murren seinen fairen Anteil an Windelwechseln, Tränentrocknen, Elternabenden und Organisieren von Kindergeburtstagen übernimmt. Zuviel verlangt? Nein, schließlich will ja heute keiner mehr von gestern sein, als der Vater noch als Ernährer der Familie möglichst von allen Familien- und Haushaltspflichten freigestellt werden wollte und wurde. Wir sind schließlich modern und emanzipiert – Frau wie Mann. Und ja, nicht selten prahlen die neuen Papis auch gerne mal mit ihrem heldenhaften Einsatz in Kinderzimmer und Sandkiste. Doch dass die Wirklichkeit leider nicht ganz so rosarot aussieht, hat nun ein Forscherteam aus Frankfurt/Main festgestellt. Nur 28 Prozent aller Väter sind tatsächlich die Helden als die sie sich gerne sehen. Diese dürfen sich stolz den Orden „egalitärer Vatertyp“ des „Instituts für Sozialforschung Frankfurt/Main“ans Revers heften.


Und alle anderen? Nun, die würden ja gerne, aber es klappt noch nicht so richtig. Zumindest ist das die nüchterne Bilanz eben jener Studie darüber, wie partnerschaftlich die heutigen Männer wirklich ihre Vaterrolle auskleiden. Von „fassadenhaften“ Vätern (25%) ist da die Rede. Die „randständigen“ Papas (10%) klingen irgendwie auch nicht besser. Daneben gibt es den „partnerschaftlich, traditionellen“ Vater (6%) sowie das ganz alte Modell des „traditionellen, distanzierten“ Vater (18%). Nun, und vom „unsicheren, gereizten“ Vater (13%) sprechen wir lieber erst gar nicht, so unangenehm hört der sich an.


Aber im Ernst: Was soll das Ganze? Endlich sind die Männer bereit, sich zu engagieren und bemühen sich nach Kräften und dann wird wieder an ihnen herumgemäkelt? Undank ist der Leute Lohn. Eigentlich wissen wir doch gerade aus der Kindererziehung, dass Tadel nur in die Ecke drängt und defensiv macht, dagegen Lob verhaltensverstärkend wirkt. Also, lasst uns mal die Anstrengungen der heutigen Väter preisen. Es ist verdammt gut zu wissen, dass – wenn man mal die Prozentzahlen zusammenrechnet und die modernisierungsresistenten 18 Prozent (sprich die „traditionellen, distanzierten Väter“) abzieht – die überwältigende Mehrheit unserer Partner absolut willens sind, sich in die Kindererziehung einzubringen.


Dass die Umsetzung noch manches Mal etwas holprig ist, liegt meist daran, dass es den Männern von ihren eigenen Vätern noch ganz anders vorgelebt wurde und es an Vorbildern in der eigenen Familie mangelte. Also lassen wir mal die Kirche im Dorf und das "Vater-Bashing" sein.


Wer sich die diversen Spezies an Vätern im Detail zu Gemüte führen will, lese hier >> weiter.