Fürs Auge

Leben und Werkeln wie in der Villa Kunterbunt

Zu Gast bei der Achimer Malerin und Bildhauerin Toby Wichmann

Vielleicht liegt es an ihrem ungewöhnlichen Namen? Vielleicht ist es aber auch nur die pure Freude am Dasein. Die Welt der Achimer Künstlerin Toby Wichmann ist jedenfalls irgendwie anders, bunter, fröhlicher, lebendiger. Knallige Farben, runde, freche Formen. „Ich habe Geschichten zu erzählen. Und ich glaube, meine Bilder sind Frauen-Bilder“, sagt sie dann und lacht.

Erfrischend wirkt die junge Frau, herzlich und offen. Und darum findet sie es auch richtig klasse, dass die Zeitung heute mal zu ihr nach Hause kommt. Eine Homestory machen. Der Weg zu Toby Wichmann führt nach Achim-Baden. Die dreifache Mutter lebt mit ihren Söhnen und dem Ehemann Am Sonnenhang „in einem kleinen Holzhäuschen“, flötet die Künstlerin tags zuvor durchs Telefon. Das Holzhäuschen ist dann aber ein ziemlich großes, ziemlich hohes, freistehendes und sehr modernes Holzhaus. Es unterscheidet sich von den Immobilien, die hier sonst so stehen. Es wirkt offen und anders. Im Garten stehen Skulpturen, und der Blick schweift suchend zwischen einer Metalltreppe, Steilhang und Kunstobjekten hin und her. Über die Treppe erreicht man die Haustür im ersten Stock.

Schon öffnet sich die Tür. Eine junge Frau mit dunkelblondem, lockigen Bob-Haarschnitt, T-Shirt, Jeans und roten Strümpfen steht im Eingang. Lachend winkt sie ins Innere. „Ich habe heißen Kakao mit Sahne vorbereitet“, erzählt sie und führt den Besuch ins Innere des Hauses. Hier sieht alles sehr modern, funktional und wohnlich aus. Die Küche ist knallig grün und offen – eine schwebende Wand trennt den großen, lichtdurchfluteten Raum vom Wohnzimmer. Überall hängen bunte, poppige Bilder. Darauf zu sehen sind elfenhafte Comicwesen mit großen gnubbeligen Nasen, runden Körperformen und fröhlichen Gesichtsausdrücken. Echte Wichmänner, sozusagen.

Toby Wichmann serviert Kakao, Sahne, Kaffee und Schokolade und erzählt, dass sie als junges Mädchen sehr unglücklich mit ihrem Namen gewesen sei. „Toby ist nicht eindeutig weiblich, das hat mich früher gestört. Oft stehen Leute vor meinen Bildern und fragen nach dem Maler“, sagt sie. Dabei würde sie ihre Kunst eher als „weibliche“ bezeichnen. Warum? „Weil sie so bunt ist. Ich verwende viel rot, pink und rosa. Weil es darauf Prinzessinnen, Könige und Elfen gibt. Es ist halt einfach so ein Gefühl“, meint sie. Identifizieren oder „schön finden“ würden aber sowohl Männer als auch Frauen ihre Bilder. Und vor allem die Kinder.

Toby Wichmann hat selbst drei Söhne im Alter zwischen zwölf, acht und fünf Jahren. Und sie ist gelernte Erzieherin. „Da habe ich viel gebastelt“, sagt sie und lacht. Heute würde sie ihre Tätigkeit aber nicht mehr als Basteln bezeichnen, wenngleich sie nicht findet, dass man studiert haben muss, damit Kunst wertvoll ist. „Ich mag es auch gar nicht, wenn man so viel in die Bilder interpretiert. Entweder sie gefallen oder eben nicht.“ Ein pragmatischer Umgang ist das. Pragmatisch ist auch der künstlerische Werdegang der 35-Jährigen. Die gebürtige Thedinghauserin habe schon immer viel gemalt und viel ausprobiert. Die Liebe verschlug sie nach Stuttgart, wo ihr Mann arbeitete. Und da ist sie irgendwann einfach in den Laden gegangen, in dem Materialien für Künstler verkauft werden. „So hab ich mir meine erste Leinwand gekauft“, erinnert sie sich. Und dann hat sie halt ausprobiert. „Ich habe meist eine Idee – und die erzählt oft eine Geschichte. Die skizziere ich dann – und so entwickelt sich daraus ein Bild“, erklärt sie den Schaffensprozess ihrer Werke.

Bis ein Bild fertig ist, können Wochen vergehen. Als dreifache Mutter kommt sie nicht immer dazu, all ihre Ideen umzusetzen. Und weil die Zeit so knapp ist, verzichtet sie auch auf Ölfarben. „Die trocknen so lange. Da bin ich mit Acrylfarben und einem Fön schneller“, erzählt sie grinsend. Und doch ist es mühsam. Toby Wichmann arbeitet mit Lasuren, trägt Farbschicht über Farbschicht auf, arbeitet kleinteilige Effekte und Strukturen aus den Bildern – bis alles ganz stimmig ist.

Doch ihre bunten comichaften Gemälde faszinieren. Viele Auftragsarbeiten hat die Künstlerin schon angefertigt. Für so manches Bild bekommt sie mittlerweile Honorare, von denen man etwas besser leben kann. Geld ist für die Künstlerin aber kein Grund zu malen. Ihr geht es darum, sich kreativ auszutoben, ihre Geschichten zu erzählen, ihre kleine große bunte Welt mit anderen zu teilen.

Darum macht sie verschiedene Malprojekte mit Kindern und viele Ausstellungen. Überwiegend in Stuttgart und in Achim und Umgebung hat Toby Wichmann schon ausgestellt. Derzeit sind einige ihrer Bilder in der Stadtbibliothek zu sehen. Außerdem fertigt sie auch Skulpturen an. Um große Skulpturen aus Stein machen zu können, sucht sie aber noch ein Atelier. „Das kann ich meinen Nachbarn sonst nicht antun“, findet sie und geleitet durch ihre Villa Kunterbunt. Im Erdgeschoss hat sie ihr Atelier. Ein kleines Zimmerchen mit Blick auf den Garten, vollgestopft mit Farben, Pinseln, Staffeleien, Materialien und Bildern. Vor der Staffelei steht ein gemütlicher Korbsessel. „Ich male nur im Sitzen“, erzählt sie – und außerdem, dass sie froh sei, im Erdgeschoss nur Estrich zu haben. „Ich kleckse immer alles voll“, entschuldigt sie die bunten Farbflecken auf dem Boden. Aber eigentlich mache das auch nichts. Und irgendwie passt es auch zu ihr.

Gemälde und Arbeiten Toby Wichmanns sind noch bis Ende 
April 2008 in der Stadtbibliothek Achim zu sehen.