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Leetspeak – klare Sache

Oder besser: No problem für mich! Verdammt, dabei hatten sich doch Geschwader von Deutschlehrern und Journalismus-Dozenten soooo angestrengt, mich vor dem Schicksal meiner Generation zu bewahren: dem Verfall der deutschen Sprache, ihrem Wandel hin zum Netzjargon – oder auch Leetspeak genannt.

Neulich war es so weit, da war mir klar, dass ich nun endgültig im digitalen Zeitalter angekommen bin. Ich sagte fest und laut und mit voller Überzeugung „LOL!“. Und mein Freund freute sich mit den Worten: „ROFL, sie hat LOL gesagt.“ Für alle, die es nicht wissen: Die Situation war sehr komisch, und „LOL“ steht für „laugh out loud“ (also laut lachen). „ROFL“ – oft auch korrekt „ROTFL“ – wiederum steht für „rolling on the floor, laughing“ (also sich auf dem Boden wälzen und dabei lachen). Wäre ja auch verdammt lang, das jedes Mal en detail mit Worten rüber zu bringen. „LOL“ und „ROFL“ treffen es also ganz gut.

Klar, verändert das Internet auch unsere Sprache. Die Frage ist nur, ob unbedingt zum Nachteil? Leetspeak – dabei handelt es sich um Abkürzungen von Wörtern, die (zumeist) aus dem Englischen kommen und zunächst im Internet noch ausgeschrieben verwendet wurden: wie etwa „as far as I know“ („so weit ich weiß“), das via Leetspeak kurz und knapp zu „AFAIK“ mutierte.

Es ist wie eine Krankheit im Kopf, ein bisschen wie das Tourette-Syndrom für Internetsüchtige. „WTF!“, fährt mir in den Sinn. Das heißt so viel wie „verdammt noch mal!“ – das nervt. „BTW“, also „by the way“ und übrigens: So etwas schreibt man auch eigentlich gar nicht, sagt die Deutschlehrerin in mir. Und ich sage „SRY!“, sorry (und es tut mir ja auch leid. „IMHO“ – ich kann nichts dagegen tun. „IMHO“ steht für „in my humble opinion“, also „meiner bescheidenen Meinung nach“. Und was sagt die gerade?

Aufhören, schnell möglichst. Ich bin ja immerhin professionelle Schreiberin. Wer weiß, wie sonst die Zukunft der Texte aussehen könnte? Man sollte auch nicht so viel online sein. Stattdessen lieber mal wieder ein Buch lesen. Eines mit richtig gepflegter, deutscher Sprache. Eines von Goethe zum Beispiel. „NP“, würde der Literat mir vermutlich antworten. „No problem“, kannste gerne haben. Auch Goethe liebte Wortspiele. BTW. K (okay) oder auch AXO (ach so) .

Bleibt am Ende nur zu sagen: LOL, der Sprachverfall ist nicht mehr aufzuhalten. Eine lustige Sache, eigentlich.