Anderswo

Lieber einen „Hugh-Grant-Komplex“ als die Vaterrolle?

Zum Kinderkriegen gehören zwei – aber er will einfach nicht? Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts hakt nach: Warum wollen immer mehr Männer lieber kinderlos in ihrem Leben bleiben?

Das Gute vorweg: Eine Studie, wie sie gerade vom Deutschen Jugendinstitut unter dem Titel „Wege in die Vaterschaft“ durchgeführt wird, macht Sinn. Sie könnte nämlich einen Blickwechsel befördern, der mehr als nötig ist: Es sind nicht nur die Frauen, die heute zögern, wenn die Kinderfrage sich stellt. Glaubt man den Zahlen, so sind es sogar weitaus öfter Männer, die in der K-Frage nicht so richtig mitziehen wollen – und stattdessen lieber in den „Zeugungsstreik“ treten?

Von einem „Zeugungsstreik“ sprach jedenfalls auch schon die Hamburger Journalistin Meike Dinklage, die vor kurzem mit einem Sachbuch provozierte, das eine längst fällige Diskussion einforderte: Jeder zweite Akademiker bis 45 Jahre hat heute keine Kinder, bei den Akademikerinnen ist das nur jede dritte. Hat Kinderlosigkeit in Deutschland – vielleicht doch viel mehr, als wir glauben, – ein männliches Gesicht? Eine Expertenkommission der Bertelsmann-Stiftung knüpft nun gerade an diese Frage an und legt nach: Immer mehr junge Männer würden erklären, dass sie sich gut vorstellen könnten, in ihrem Leben auf eine Vaterschaft auch ganz zu verzichten.

Das ist ein Aspekt, der in laufenden Debatten bisher eher ausgeblendet blieb. Meike Dinklage meint hierzu: „Man nimmt an, die Frauen streiken, weil sie Kinder und Beruf nicht vereinbaren können. Dabei gibt es ein zweites Vereinbarkeitsproblem, und das liegt in der Psyche des Mannes und lautet: Will ich jetzt ein Kind oder doch lieber später bis nie?“

Ein „Hugh-Grant-Komplex“, wie Meike Dinklage es nennt? Die Journalistin meint, Männer dächten heute zwar grundsätzlich aufgeschlossen über Kinderwünsche nach, aber gleichzeitig auch ohne rechten Mut, sich wirklich zu entscheiden. Das sei eine zögerliche Haltung, die niemand so gut verkörpere wie der britische Schauspieler Hugh Grant, und nicht zuletzt dessen Glanzrollen hätten dieser Haltung auch einen hohen Sympathiewert verschafft  – bei einer risikoscheuen Generation, die gerade mit dem Kinderkriegen nicht so richtig zu Potte zu kommen scheint.

Eine abenteuerliche These. Vielleicht lohnt es sich ja doch, hier auf die genauere Forschung  zu setzen. Im Herbst wird das Deutsche Jugendinstitut jedenfalls die ersten Ergebnisse seiner Studie vorlegen. Wer bis dahin aber nicht warten möchte, dem sei ein Artikel empfohlen, der auf dem Schweizer Webportal „Beobachter“ zum Thema veröffentlicht wurde. Yvonne Staat schreibt hier: „Warum Männer auf Kinder verzichten, ist nicht erforscht. Und wo klare differenzierte Antworten fehlen, sind Klischees nicht weit.“

Diese umgeht die Autorin in ihrem eigenen Artikel aber nicht nur bestens, sondern sie zeigt auch ein gutes Gespür für Begriffe, die sich eher realitätsfern  verausgaben. So wie etwa „Zeugungsstreik“: „…diese Leier mussten sich schon die kinderlosen Frauen jahrzehntelang anhören. Das reicht.“