Weibchenschema

Mach’s wie EMMA!?

Sie war vielen ein Vorbild. Weil sie immer wieder darauf pochte, was Frauen alles können: Fußball spielen. Kanzlerin werden. Ein erfolgreiches Magazin machen. Jetzt wird Alice Schwarzers Frauenzeitschrift 30 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!

Von: Gabriela Häfner, Fotos: SWR und EMMA

vom 26.01.07

Als EMMA damals – am 26. Januar 1977 – zum ersten Mal über die
Verkaufstische gereicht wurde, war der Aufstand groß. „Alice Schwarzer hat
wieder zugeschlagen. Sie ist unter die Herausgeber gegangen. Deutschlands Publikationen von Spiegel bis Bunte stehen Kopf, deshalb und wegen EMMA“, war etwa in den Stuttgarter Nachrichten zu lesen. Währenddessen ging die erste Auflage weg wie – sagen wir mal – sonst nur Wasser-Eis im Wüstensand. Und nach 200.000 verkauften Exemplaren mussten gleich noch einmal 100.000 Hefte nachgedruckt werden.

 

Wenig verwunderlich. EMMA war als „Zeitschrift für Frauen nur von Frauen“ etwas ganz Neues. Etwas sehr Mutiges. Nicht so wie ihre „aufgeputzten Stiefschwestern“ an den Kiosken der Zeit, „kein Strahleweib mit sexy Wackelpo. Wäre es so, dann hätte sie sich Annegret, Carmen oder auch Brigitte genannt“(Kölner Express).

 

Hatte sie aber nicht. Denn EMMA sah nicht nur anders aus, sie hatte auch anderes im Sinn: Unerschrocken krakeelte sie für die Gleichberechtigung der Frau, wo andere nur Kochrezepte austeilten – auf dass Männer auch weiterhin ihre perfekte Minna bekämen?

„Muss eine Zeitschrift für Emanzipierte so schäbig sein?“ fragte eine Stimme zur Geburtsstunde des Blattes nach (Frau & Politik). EMMA musste. Nicht schäbig sein. Aber viele unschöne Muster aufzeigen, mit denen das weibliche Geschlecht die immer gleiche Rolle zugedacht bekam – als Muntermacherin der Männer. Ob Küche oder Porno!

 

Als EMMA das Licht der Welt erblickte, saß man hierzulande nämlich noch mit vielem bei Kerzenschein. Insbesondere in der Gleichstellungsfrage. Die Medien? Eine Männerbude, in der man EMMA so begrüßte, als habe mal eben der Fuchs im Hühnerstall vorbeigeschaut! Und was wünscht man dem, wenn man zur Fraktion der Hühner gehört? Eben.

 Aber auch das Eherecht der Zeit – hanebüchen! Eine verheiratete Frau, die arbeiten gehen wollte, hatte zunächst ihren Ehemann um Erlaubnis zu bitten. Und das war so bis zum 1. Juli 1977, als endlich ein neues Eherecht in Kraft und so mancher Anachronismus abtrat.

 

Deshalb und aus vielen anderen Gründen war eine Stimme wie EMMA unverzichtbar. Eine Stimme, die provozierte und vieles nach vorn brachte. Ob die Debatte über Abtreibung oder über Familienpolitik, ob einen Girls Day oder PorNOkampagnen. EMMA war stets dran am Ball. Und in der Abwehr stark. Im Jahr 1978 verklagte sie zusammen mit einigen Mitstreiterinnen beispielsweise das stern-Magazin und dessen Titelmotive. Sexy? Nein, nur sexistisch, fand EMMA. Humorlos von ihr? Ach was! Kompromisslose Manndeckung, so heißt das im Ballsport. 

 

Ohne Frage. Sie konnte auch auf die Nerven gehen. Nicht nur denen, die ohnehin in EMMA nur das „Emanzenblatt“ sehen konnten. Den „Männerschreck“. Nein, auch Frauen hatten manchmal das Bedürfnis, anderer Meinung zu sein. „Wir sind Weltmeisterinnen!“ so jubelte das Magazin mit Blick auf den Erfolg im deutschen Frauenfußball im Jahr 2003. Nun gut, das ging noch. Schließlich hatte EMMA schon immer eine Schwäche für die Mädels auf dem Platz gezeigt und sich für diese, gegen so manchen Widerstand der Herren Funktionäre, stark gemacht. Aber: „Wir sind Kanzlerinnen!“ In diesen Jubel wollten viele, die sich auch für Feministinnen hielten, dann doch nicht einstimmen. Was immerhin eine heftige Debatte im Lande in Gang brachte: Über weiblichen Teamgeist und schnöde Mann(schafts)dienlichkeit. Und über das, was beide voneinander unterscheidet.

 

 

Derzeit macht EMMA gerade mit einer Jubiläumsausgabe von sich reden, mit der sie ihren 30. Geburtstag feiert. Darin wird nicht nur zurückgeblickt: Auf die eigenen turbulenten Anfänge, Männerhäme wie Machtkämpfe und jede Menge Erfolge. Das Heft bietet auch spannende Beiträge zu aktuellen Themen – ob es nun um „Männlichkeitskrisen“ oder „gläserne Decken“ geht oder die Frage, was eigentlich die (weibliche) Jugend laut Shell-Studie so treibt. Ganz zu schweigen vom Feminismus, dessen „gutes Gewissen“ EMMA immer war.

 

„Ehrlich gesagt, du warst mir lästig!“ so bekennt sich denn auch Katja Kullmann, Autorin des Bestsellers „Generation Ally“ (2002) in der neuesten EMMA zu diesem Gewissen. Warum so ambivalent? Wegen des alten Widerspruchs vielleicht: Emanzipation braucht Vorbilder. Und Vorbilder sind dazu da, sich von ihnen zu emanzipieren.

 

Was an EMMA dennoch immer wieder überzeugt? Machen wir es kurz und bleiben beim Namen, dem schönen, zu dem es nach Darstellung der Herausgeberin so kam: „Der war irgendwann mal aufgetaucht und gefiel uns. Nicht nur wegen der Anspielung auf die Em(m)azipation, sondern auch weil er das selbstironische Gegenteil vom platt Erwarteten war: Wie würde sie wohl heißen, diese Zeitschrift der jetzt vollends größenwahnsinnigen Schwarzer? Nora? Die Rächerin? Die Amazone? Nein. Emma.“