Women only

Männer sind wie Aufbackbrötchen

Einmal in der Woche treffe ich mich mit meinem schwulen, besten Freund zum Frühstück. Wir reden über alles, was grad anliegt. Oder rumliegt – oder soeben aufgestanden ist. Also über unsere Männer.

Denn was wäre die Welt ohne sie? Mein schwuler Freund und ich, wir könnten nicht ohne sie leben. Und darum habe ich immer mehrere Kandidaten als Backup in der Hinterhand. Oder in der Tüte, der Brötchentüte. Denn mein Freund und ich haben festgestellt, dass Männer wie Aufbackbrötchen sind. „Das ist typisch frau“, sagt mein Kumpel. Er hat beobachtet, dass Frauen eine Trennung immer sauber vorbereiten. Zumindest die Frauen, die ihn verlassen haben, bevor er schwul wurde.

Er sagt: „Wenn es nicht mehr so gut läuft mit einem Mann, dann lachen sie sich den nächsten an. Sie gehen nicht unbedingt fremd – aber sie haben einen, der ist schon angewärmt.“ Das ist eine tolle Backup-Strategie, finde ich. Eine Warmhalte-Strategie, nein, viel besser – es ist eine Aufbackbrötchen-Strategie. Wer will schon geschnittenes Graubrot frühstücken, wenn man auch ein Aufbackbrötchen haben kann? Ich nicht. Und seit mich mein Kumpel darauf brachte, habe ich eben immer ein oder mehrere Aufbackbrötchen im Tiefkühlfach - oder eben im Adressbuch.

Nun bin ich also wieder allein. Das Glück mit dem jungen Freund war nicht von langer Dauer. Aber in guter Aufback-Tradition hab ich den Anfang vom Ende gut vorbereitet. Denn in meinem Tiefkühlfach lagert seit jeher ein erfolgreicher Jungjournalist. Er ist mein persönlicher Mr. Big – in jeglicher Beziehung. Zugegeben, manchmal sind die Dates mit ihm wie die mit einem Walross in seiner natürlichen Umgebung. Die Treffen sind sehr selten, manchmal auch gefährlich, es ist schweinekalt, er kommt nur sehr beschwerlich auf mich zugerobbt, und nach getaner Arbeit bricht er schnaufend auf mir zusammen. Und genau wie ein echtes Walross ist auch er ein seltenes Exemplar seiner Gattung. Und wenn er sich nicht irgendwann mit mir fortpflanzt, wird auch er einmal vom Aussterben bedroht sein. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Zurück ins Hier und Jetzt: Gerade weil eine kalte Umgebung für so ein Walross natürlich ist, hat er kein Problem damit, ein Aufbackbrötchen in meinem Tiefkühlfach zu sein.

Also habe ich reagiert, als ich merkte, der junge Freund ist doch einen Tick zu jung, das Walross ein bisschen umworben. Hier eine E-Mail, da ein Telefonat und dort eine Karte zu Weihnachten. Zurück kamen kurzbündige E-Mails. Betreff „Merci“ oder „allright“. Manchmal gar: „Allright Baby“. Manchmal denke ich, hätte ich es mit Fisch versucht, wäre ich womöglich noch erfolgreicher gewesen. Wie auch immer.

Letzte Woche war es dann soweit: Der Lüttje erklärte mir nach einem endlosen Streit über eines seiner Pubertätsprobleme, dass er sich das mit mir doch anders vorgestellt habe – und weil ich keine Super-Nanny bin, habe ich ihm vorgeschlagen, die ganze Geschichte mit uns auf ein paar Jahre später zu vertagen. Das fand er gut, ich auch, denn es war ja meine Idee, und ich habe gerne Recht.

Ein paar Stunden später fühlte ich mich dann aber doch allein. Und mir fiel die Frühstücksverabredung mit meinem besten, schwulen Freund ein. Und ich hatte doch versprochen, die Brötchen mitzubringen! Und überhaupt: Worüber sollten wir nun reden, wenn es doch mit meinem jungen Freund jetzt vorbei war? Ein Thema musste her, ein Brötchen auch – und ein neuer Kerl sowieso.

Und weil ja Valentinstag war, fand ich einen Brief vom Walross. Ich war entzückt. Und hingerissen.
Begeistert habe ich meinem schwulen Freund beim Frühstück von der neuen, alten, Immer-Mal-Wieder-Trophäe berichtet. Und er hat gesagt: „Du bist also wieder eine Walrossjägerin geworden!“ Ich habe gelacht. Ja! Das ist besser als nichts. Auch ein bisschen aufregend, auf eine ganz eigene Weise.

Übrigens: Die Paarungszeit dieser Arktis-Bewohner findet im Februar statt. Das nennt man dann wohl perfektes Timing. Oder einfach Glück gehabt.

Trotzdem kauf ich beim Supermarkt demnächst mal wieder eine frische Tüte Aufbackbrötchen. Sicher ist sicher – und der Frühling hat ja noch nicht mal begonnen!