Anderswo

Männer und Technik ...

... ist noch immer ein Thema, das auf die Palme bringen kann. Oder muss?

Die CeBIT lädt Frauen am 8. März dazu ein, die Messe der IT-Branche in Hannover kostenlos zu besuchen – und schon wird heftig diskutiert: Eine Gemeinheit gegen die Männer, die zahlen müssen? Und braucht man wirklich Freikarten, um Frauen für Technik zu begeistern? Weil diese mit der Messe sonst so wenig am Hut hätten wie etwa – mit Einparken? Manche Männer glauben fest daran.

„Der Mangel an Nachwuchs und Fachkräften in der deutschen Wirtschaft lässt sich nur lindern, wenn es allen Beteiligten gelingt, auch Frauen vermehrt für Berufe mit technischer Orientierung zu begeistern“, so meint Ursula von der Leyen. Die Bundesfamilienministerin hat die Schirmherrschaft für den "Women@CeBIT"-Tag übernommen, mit dem die weltweit größte Messe für Informationstechnologie nicht nur den Weltfrauentag würdigen möchte. Die CeBIT versteht ihren Aktionstag am 8. März offenbar auch als ein Zeichen gegen den Trend.

Denn das weibliche Interesse an der IT-Branche scheint derzeit nicht gerade blühend. Im Jahr 2007 waren nur noch 17,2 Prozent der jungen Leute, die sich für ein Studium der Informatik entschieden, Frauen. Ihr Anteil sank in den vergangenen Jahren kontinuierlich, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag er im Jahr 2000 bei immerhin noch knapp 20 Prozent (und doch war auch dieser schon bemerkenswert gering).

Grund genug also, auch die weibliche Faszination für das digitale Zeitalter endlich zu wecken? „Women@CeBIT“ hat sich dieses zum Ziel gemacht. Wer möchte, kann sich auf der Internetseite www.cebit.de/women registrieren, um die Messe kostenlos zu erkunden, Besucherinnen bekommen dann ihre Freikarte an den Eingängen des Messegeländes. Aber kann das wirklich etwas bewirken? In Internetforen ist diese Frage heftig umstritten.

„Das technische Zeugs interessiert sie nicht wirklich“, heißt es da unter Männern, die der Meinung sind, Frauen hätten „von Natur aus“ mit der CeBIT ebenso wenig am Hut wie mit Einparken und würden im Zweifelsfall ohnehin nur nach dem neuesten Geschirrspüler Ausschau halten. Es sind aber nicht nur die Herren der Schöpfung, die erstaunlich gereizt reagieren, sondern es tönen auch kritische weibliche Stimmen. Der Aktionstag sei doch Augenwischerei, „es würden ja auch keine Männer Kindergärtner werden, nur weil die Spielemesse freien Eintritt für Männer anbietet“. Da gelte es doch, ganz andere Faktoren in den Blick zu bekommen.

Und in der Tat: Auch die Arbeitsmarktforscherin Franziska Schleyer ist der Ansicht, dass viel passieren muss, bevor der Arbeitsmarkt der technischen Berufe auch für Frauen attraktiv wird. Die Soziologin untersuchte die Situation von „Frauen aus Männerfächern“ und fand heraus, dass selbst da, wo heute der Nachwuchs fehlt, Frauen nicht unbedingt gute Jobaussichten haben. Im Gegenteil: Frauen aus den männerdominierten Ingenieur- und Naturwissenschaften hätten sogar ein höheres Risiko, arbeitslos zu werden, als Absolventinnen anderer Fächer. Warum das so ist, erklärte Franziska Schleyer in einem Interview, das sehr lesenswert ist, der Wochenzeitung „Die Zeit“. Hier ein Auszug:

„Schreyer: Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt sind eben nur ein Faktor unter vielen, wenn es darum geht, ob Frauen einen Job bekommen.

ZEIT Campus: Worauf kommt es noch an?

Franziska Schreyer: Zum Beispiel auf die Berufskultur. Und die ist bei den Ingenieuren in Deutschland nach wie vor männerdominiert.“

Liegt es also vielleicht nicht an fehlender Technikbegeisterung allein, wenn Frauen nach wie vor lieber auf das Studium der Germanistik setzen als auf die Laufbahn als Ingenieurin? Eine solche Entscheidung sei jedenfalls nicht so irrational, wie man annehmen könnte, meint Franziska Schleyer, die aber nicht falsch verstanden werden möchte:

Schreyer: (…) Es wird immer wieder argumentiert, Frauen seien selber schuld, wenn sie keine Karriere machten, weil sie die chancenreichen technischen Fächer links liegen ließen. Das muss man angesichts meiner Ergebnisse zumindest relativieren.

ZEIT Campus: Sollten Sie junge Frauen nicht ermutigen, gegen die Klischees anzukämpfen, statt ihnen Angst zu machen?

Schreyer: Das ist ein Missverständnis! Ich möchte, dass mehr Frauen Ingenieurinnen werden. Aber ich möchte das nicht erreichen, indem ich ihnen vorgaukele, es warte das Paradies mit rosa Wölkchen auf sie, wie es derzeit leider oft geschieht. Im Moment wird viel getan, um Abiturientinnen dazu zu bewegen, ein technisches Fach zu studieren. Das ist gut so, aber es reicht nicht aus. Die Arbeitskultur in den Unternehmen muss sich ändern.“

Und angesichts der Männerkommentare zum freien Eintritt von Frauen am „Women@Cebit“-Tag beschränkt sich der Änderungsbedarf vermutlich nicht nur auf die Arbeitskultur.