War was?

Männlicher Krawall geht - weiblicher Pragmatismus kommt

Mit dem politischen Vorruhestand Oscar Lafontaines verliert DieLinke nicht nur eine ihrer charismatischen wie umstrittenen Leitfiguren. Mit Gesine Lötzsch gewinnt sie in vielerlei Hinsicht - an politischem Pragmatismus, klarem Profil und nicht zuletzt an Erfüllung mancher Quote.

War Oscar Lafontaines Wechsel von links-von-der-Mitte (SPD) über halb-links (WASG) nach links-außen für die damalige PDS die ultimative Wiederbelebung als bundesweite Alternative links von der SPD, so ist Gesine Lötzsch der Versuch, über eine Quotenfrau (zusätzlich zum Geschlecht auch noch Original aus dem Osten) die Partei DieLinke auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Was gern aus den Reihen der Fusionspartei als vielfältige und lebendige Diskussionskultur nach außen kolportiert wird, stellt sich bei genauerem Hinsehen als wildwachsendes Gebilde widerstreitender Meinungen und Splittergruppen dar.

 

Gesine Lötzsch  wird nun vor allem zugetraut, neben ihrer rein symbolischen Integrationskraft als Erfüllerin aller Quoten, dank ihres pragmatischen, auf Konsens ausgerichteten Politikstils das Auseinanderdriften der einzelnen Gruppierungen zu verhindern. Der Zeitpunkt könnte für DieLinke kein besserer sein: die Finanzkrise, der Afghanistankrieg, die Wirtschaftskrise - zu allen Themen hatte sich DieLinke explizit und, pauschal betrachtet, ablehnend geäußert. Zwar sind die Antworten der Links-Partei alles andere als demokratisch durchsetzbar - der gemeinsame Feind aber ist fixiert, die Erwartungen der Öffentlichkeit außerhalb der Partei hoch - jetzt gilt es, zusammenzustehen. Und wieder scheint Gesine Lötzsch mit besten Voraussetzungen (als Haushaltsexpertin) die beste Wahl als neue Parteivorsitzende zu sein. Die Tatsache, dass sie der SPD aufgeschlossen wie kaum eine andere Politikerin DerLinken gegenübersteht, fügt sich nur wie ein vermeintlich fehlendes Mosaikstück in die Expertise ihrer Eignung ein.

 

Bei allem Glanz muss es auch Schatten geben. Der ihrige kommt aus der Vergangenheit. Denn Gesine Lötzsch kann sich nur selber im Wege stehen. Ihre ungeklärten Verbindungen zur ISOR, ihr Kokettieren mit der Opfervergangenheit ihres Ehemannes, die sich ambivalenter darstellt, als es vor allem den Gralsbewahrern linker Ideen der Links-Partei lieb sein will -das wiegt schwer. Sollte es Gesine Lötzsch nicht schaffen, sich vom Stigma der ostdeutschen Klientelpolitikerin mit veritablen SED-Seilschaften durch klare Absagen zu lösen, wird sie nur als eine Episode im Nachfolgestreit um den Parteivorsitz enden. Ach, und bevor Sie fragen: Klaus Ernst, die zweite Doppelspitze neben Gesine Lötzsch - auch der erfüllt die Quote (Bayer, männlich, WASG-Urgestein). Mehr lässt sich über Herrn Ernst noch nicht schreiben.