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Manege frei für Carolina Bang

"Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod" ist nichts für schwache Nerven. Und die Hauptdarstellerin Carolina Bang alles nur kein Hollywood-Püppchen - eine echte Entdeckung.

Der neue Film des spanischen Kultregisseurs Álex de la Iglesia (El día de la bestia, Perdita Durango) ist ein einziger rauschhafter Alptraum. Getrieben von den Geistern seiner Kindheit heuert der dickliche Javier (Carlos Areces) 1973 beim Zirkus an. Selbst Sohn eines "dummen Augusts", der im spanischen Bürgerkrieg zum Morden gezwungen wird und ein tragisches Ende findet, schlüpft Javier in die Rolle des "traurigen Clowns". Der "lustige Clown" Sergio, Held der Kinder, entpuppt sich schnell als sein Gegenspieler.

 

Ungleicher Kampf um die schöne Natalia

 

Abseits der Manege ist dieser ein wildgewordener Sadist, dessen Brutalität vor allem seine Freundin zu spüren bekommt, die Trapezkünstlerin Natalia (Carolina Bang). Der anfangs so ungleiche Kampf zwischen den beiden Clowns um die schöne Artistin, die von dem gewalttätigen Sergio ebenso fasziniert ist wie vom scheuen Javier, entwickelt sich zu einem rasanten Höllentrip, der grotesker nicht sein könnte. Auf furchterregende Weise spiegelt er sich in den Gesichtern der Clowns wider, die sich durch kaum zu ertragende Gewalteinwirkungen im Laufe des Films zu abscheulichen Fratzen verändern.

 

Carolina Bang ist die Entdeckung des Films. Die Nominierung als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle als Natalia beim spanischen Filmpreis Goya unterstreicht diese Tatsache. Drei Monate habe sie täglich mehrere Stunden am Trapez trainiert, um authentisch die Artistin zu mimen, erzählt Bang auf dem Berliner Filmfestival "Around the world in 14 films", welches mit "Mad Circus" furios eröffnet. Während sich die Zuschauer noch benommen die Augen reiben, steht die spanische Schauspielerin in Jeans und Strickjacke vor der Leinwand und macht neben dem quirligen Regisseur de la Iglesia einen erfrischend normalen Eindruck. "Ich habe mir mehrfach die Knöchel verrenkt", berichtet die sportliche Blondine mit dem markanten Gesicht.

 

"Unmöglich, glücklich zu sein..."

 

Der Einsatz hat sich gelohnt, scheinbar mühelos meistert sie die schwierige Aufgabe, neben den beiden starken Figuren der wahnsinnigen, um sich schlagenden Clowns als weiblicher Gegenpart zu bestehen. Mehr noch: in jedem Augenaufschlag spiegelt sich die verzweifelte Zerrissenheit der Artistin, die Täter und Opfer zugleich ist. "In der Figur der Natalia zeigt sich, dass es unmöglich ist, glücklich zu sein", fasst es de la Iglesia zusammen.

 

"Mad Circus" ist eine Metapher auf ein Spanien, das durch die Franco-Diktatur bis heute in den Wahnsinn getrieben ist. In Venedig wurde dies gleich mit zwei Silbernen Löwen honoriert (Beste Regie, Bestes Drehbuch). Besonders Jurypräsident Quentin Tarantino zeigte sich von der "grellen Ästhetik" dieses Horrortrips begeistert. Wenig verwunderlich, denn de la Iglesia ist stilistisch stark von Tarantino inspiriert. Und in Carolina Bang, die auch in seiner futuristischen TV-Serie "Plutón B.R.B Nero" eine Hauptrolle spielt, hat er eine ähnlich spektakuläre Muse entdeckt wie einst Tarantino in Uma Thurman. Ihr Gesicht sollten wir uns merken.

 

 

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Infos:

 

Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod, 108 Minuten, Regie: Álex de la Iglesia, Hauptdarsteller: Carlos Areces (Javier), Carolina Bang (Natalia), Antonio de la Torre (Sergio), Filmstart: 8. Dezember 2011