Männerecke

„Mann, bin ich eine käsebleiche Natter!“

„Du siehst doch hübsch aus“, sag ich. (Vergiss es. Da kann ich auch gleich rülpsen. Ist vom Resultat her das gleiche Kompliment).

Sie hat ein bisschen zugenommen, die Gräfin, und verdächtigt mich prompt, ich würde ihr nachts heimlich Cremetörtchen in die Hüfte spritzen. Na schön, na schön, sie ist prämens. Prämens, von prämenstruell. Kurz vor der Periode, dieser katholischen Frechheit.  Ich meine ja, das Wort prämens gibt es gar nicht. Nicht im Fremdwörterbuch, nicht in der Slangkladde. Ich kenne es überhaupt nur von ihr und ihrer besten Freundin. Sie ist dann immer sehr empfindlich, wenn sie prämens ist, die Gräfin, klar. Die Prinzessin auf der Erbse.

 

„Die Prinzessin auf der DNS einer Erbse“, berichtigt sie.

 

So soll ich beispielsweise nicht so laut kauen, wenn wir beim Frühstück zusammensitzen.
„Mann, du machst einen Krach, als würde ein Pferd über die Straße traben!“

 

Aber auch an sich selbst verteilt sie an den Tagen gerne etwas Gratisgespött. Wie hier, vorm Badezimmerspiegel:
„Mann, bin ich eine käsebleiche Natter!“
„Du siehst doch hübsch aus“, sag ich. (Vergiss es. Da kann ich auch gleich rülpsen. Ist vom Resultat her das gleiche Kompliment).

 

„Ich weiß überhaupt nicht“, entgegnet sie, „ob ich mit jemanden reden soll, der um zehn Uhr morgens noch Abdrücke vom Kopfkissen im Gesicht hat.“

 

Zehn Uhr? Der Hund muss raus. Der platzt gleich. Ist zwar ein Solinger Hund, hat aber trotzdem keine Blase aus Stahl. Die Gräfin kommt zu meiner Überraschung mit. Kaum sind wir ein paar Meter gegangen, Richtung Wald, bleibt sie stehen. Ich muss ihr den Nacken massieren. Sie hat neuerdings ständig einen kühlen Nacken, „damit mein Gehirn nicht überhitzt. Die Synapsen.“

 

Eine Minute später, neue Theorie.

 

„Meine Nackenschmerzen kommen vom strengen Verhalten in meinem Gesicht.“

 

Dabei dauert es in der Regel maximal 'ne Viertelstunde, und ein Lächeln betritt durch die Vordertür ihren Mund. Diesen schönen Mund mit der kakaofarbenen Perle oberhalb der Oberlippe.

 

„Das ist keine Perle, das ist eine Warze. Ich seh' aus wie eine alte Hexe. Reich mir einen Besen, und ich reite zum Blocksberg.“

 

Als ich mein Notizbuch heraushole und stehenbleibe, um was zu notieren, ist ihr das auch nicht recht.
„He, wir haben Sonntag, du alte Schreibschraube! Kannst du nicht wenigstens sonntags mal dein Schwitzbuch zulassen!“

 

(Wenn sie schnell spricht, klingt Notizbuch aus ihrem Mund wie Schwitzbuch. Ich liebe es.)

 

Am Abend, beim Zappen durchs TV-Programm, erwischt sie zufällig Heidi Klum, ihr Lieblings-Hass-Objekt. Da komm ich mal zum Luftholen. Da bin ich mal außen vor.

 

„Ich weiß gar nicht, warum die Klum mich so aggressiv macht. Die möchte ich töten. Nein, nicht töten! Die soll nicht sterben! Die Klum soll mit 'ner zerschnittenen Fresse durch die Gegend laufen!“

 

Ich lache laut auf. Ich liebe es, wenn sie bösartig wird. Ein gemeines, schnittiges Modul. Und diese Kakaobohne!

 

 

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Andreas Glumm schreibt regelmäßig in seinem Weblog "Studio Glumm" über sich und seine Lebensgefährtin, genannt die „Gräfin“, und den Hund „Frau Moll“ 

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