Cool Tour

Luftig und einfühlsam

Sie hat Songs von Kurt Weill und Frederick Loewe gecovert – doch nach Broadway-Nostalgie klingt da nichts: Masha Qrella und ihr neues Album „Speak Low“ führen die vertrauten Klassiker eher zu einer neuen Beweglichkeit im Hier und Jetzt.

Die Lieder von Kurt Weill und Frederick Loewe üben auch heute, mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrer Entstehung, einen enormen Reiz auf zeitgenössische MusikerInnen aus – als seien Weills und Loewes Kompositionen Vorläufer des modernen Popsongs.


Das sah auch Detlef Diederichsen so, als er vor zwei Jahren im Rahmen der „New York – Berlin“-Festlichkeiten anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Berliner Hauses der Kulturen der Welt einen Abend kuratierte und KünstlerInnen suchte, die Weill- und Loewe-Songs interpretieren sollten. Er wollte auf allzu bewährte Interpreten verzichten und stieß schließlich auf die Berliner Lo-Fi-Indiepopgitarristin und -sängerin Masha Qrella.

 

Qrella und ihre Band (Michael Mühlhaus, Rike Schuberty, Andi Haberl) boten einen außergewöhnlichen Auftritt, die Songs dieses Abends erscheinen nun als Album bei Morr Music: Auf selbstverständliche, gänzlich unnostalgische Weise eignet sich Qrella legendäre Evergreens wie „Speak Low“, „September Song“ und die berühmte „Saga of Jenny“ an und befreit sie von theatralischer Schwere. Wer mit den Originalen nicht vertraut ist, könnte die Songs für neue Qrella-Werke halten, was nicht heißen soll, dass Qrella übergriffig mit dem Material umgeht:

 

Ihre Bearbeitungen sind luftig, einfühlsam, gitarrenbetont und führen die anspruchsvollen Kompositionen mit leichter Hand in die Neuzeit. Besonders gut tut das „Wandering Star“, dem Westernsong, den man nur in Lee Marvins gebrummter Version kannte – Masha Qrellas klare Stimme verleiht dem wandernden Stern die nötige Beweglichkeit.

 

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Christina Mohr arbeitet beim Campus Verlag in Frankfurt. Nach Feierabend ist sie Musikredakteurin des Online-Kulturmagazins satt.org, rezensiert Platten und Bücher, gelegentlich auch für andere Websites wie melodiva.de, titel-magazin.de und Zeitschriften wie Missy Magazine. Der hier veröffentlichte Text erschien zuerst auf der Seite von satt.org, wir danken ganz herzlich für die Erlaubnis zur Zweitveröffentlichung!

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