Anderswo

Mehr Geld oder zu gestrig?

Gehören Frauenhäuser abgeschafft? Oder brauchen sie im Gegenteil: endlich eine sichere Finanzierung? Die Frage steht im kommenden Jahr auch im Bundestag zur Diskussion – und bringt schon jetzt einen Männerforscher in Rage.

Lila Latzhosen mögen out sein. Doch häusliche Gewalt gegen Frauen gibt es noch immer. Darf man es sich also so leicht machen und beides in einem Abwasch für museumsreif erklären? Der Soziologe Gerhard Amendt hat das kürzlich in einem Artikel versucht, den er in der Tageszeitung „Die Welt“ veröffentliche. Darin polemisierte er gegen Frauenhäuser – als ein „Hort des Männerhasses“, der abgeschafft gehöre, weil er von einem lila Kampfgeist aus Latzhosen-Zeiten unschön verblendet sei.

Ein Angriff, der nicht gerade zufällig jetzt kommt: Weil sich die finanzielle Situation vieler Frauenhäuser in Deutschland in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert hat, hat der Familien-Ausschuss im Bundestag dazu aufgefordert, eine mögliche Finanzgarantie für die Häuser prüfen zu lassen. Bisher trägt die öffentliche Hand nur einen Teil der Kosten, um die es hier geht. Für den Rest müssen die Einrichtungen (je nach Bundesland in unterschiedlicher Höhe) selbst aufkommen. Oder auch betroffene Frauen längst schon zur Kasse bitten: Nicht jede, die Hilfe braucht, bekommt diese nämlich problemlos auch öffentlich finanziert.  

Eine Förderung aus Bundesmitteln wäre also nur zu begrüßen und könnte enorm helfen, die Arbeit von Frauenhäusern auf solide Beine zu stellen. Doch Gerhard Amendt meint, genau dagegen nun Stimmung machen zu müssen: Es sei ein Mythos, so behauptet der Soziologe, dass in erster Linie noch immer Frauen zu Opfern von häuslicher Gewalt würden. Auch Männer hätten zu leiden – doch davon nehme man in unserer Zeit kaum Notiz. Und schon gar nicht in Frauenhäusern: Tagtäglich würde hier nur daran gearbeitet, die Gesellschaft weiter nach „radikalfeministischer Ideologie“ in „männliche Gewalttäter“ und „weibliche Friedfertige“ zu polarisieren. 

Starker Tobak. Und Grund genug für Katja Grieger, hierauf zu reagieren: „Amendt leugnet, dass es Frauen gibt, die ihres Lebens nicht mehr sicher sind“, so meinte die Leiterin des Bundesverbands für Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in einem Interview, das im „Brigitte“-Magazin noch nachzulesen ist. Kurz zuvor hatte Gerhard Amendt hier die Gelegenheit bekommen, seine windige Polemik noch einmal zu erläutern – und erneut dafür plädiert: Man solle Frauenhäuser durch „unparteiische“ Familienhäuser ersetzen, in denen zukünftig alle Hilfe finden könnten, die von Gewalt in einer Familie betroffen wären. Wie der Bremer Männerforscher sich nämlich ausmalt, könnte man in Einrichtungen wie diesen „in Notfällen Männern wie Frauen mit Kindern vorübergehend sicheren Aufenthalt bieten“. Dann wäre da eigentlich nur noch eine Frage, Herr Amendt: Schutz für alle – vor wem denn noch mal genau?

 

Lesen Sie hier das Interview mit Katja Grieger, Leiterin des Bundesverbands für Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff), im „Brigitte“-Magazin.