Wissenswertes

Mindestens die Hälfte und nicht weniger

Frauen auf der ganzen Welt feiern am 8.März den internationalen Frauentag. Junge Frauen fühlen sich mittlerweile gleichberechtigt.

Bist du schon gleichberechtigt oder fühlst du dich nur so? „Sowohl als auch“, antwortet die 26-jährige Antje Eilers. Die junge Bremerin ist eine jener Frauen, die das Magazin „Der Spiegel“ wohl als Alpha-Mädchen bezeichnen würde. Selbstbewusst, zielstrebig, mit feministischem Bewusstsein – und im Spannungsfeld zwischen Männerdomäne und Frauenbewegung stehend. Denn Antje Eilers arbeitet im Bremer Seemannsheim und beim Frauenbildungszentrum Belladonna.

„Ich bin eine Feministin, aber als solche bezeichne ich mich selten“, sagt die Soziologiestudentin. Gerade schreibt sie an ihrer Magisterarbeit zum Thema „Frauen in der Seefahrt“. Der Begriff der Feministin scheint der jungen Frau zu negativ besetzt.

„Da schwingt eine Konnotation mit, eine Ecke, in die viele Frauen nicht reinwollen. Sie befürchten Diffamierung“, erklärt die Kommunikationswissenschaftlerin Johanna Cüsters. Sie hat in ihrer Doktorarbeit die Berufssituation von Männern und Frauen am Beispiel des Berufsfeldes Journalismus miteinander verglichen – und dabei auch das frauenpolitische Bewusstsein der jungen Frauen abgefragt. Sie kommt zu dem Fazit: Je ausgeprägter das feministische Bewusstsein, desto eher sind Frauen dazu bereit, sich im Berufsleben zu vernetzen und gegenseitig zu unterstützen.

Die Interessen von Frauen zu vertreten – dafür steht der Deutsche Frauenrat, die Dachorganisation von derzeit 54 bundesweit aktiven Frauenverbänden. „Es gibt Strukturen und Mechanismen in unserer Gesellschaft, die dazu führen, dass Frauen in vielen Bereichen immer noch benachteiligt werden“, sagt Ulrike Helwerth vom Interessenverband. Problematisch sei, dass viele Frauen ihre Benachteiligung für ihr persönliches Versagen hielten. „Die jungen Frauen werden mit den Erwartungen an ihre Rolle überfordert“, meint Helwerth. Die Erfolge der ersten und zweiten Frauenbewegung – vom Wahlrecht bis zur gesetzlichen Gleichstellung – ermöglichen der jungen Frauengeneration eine Vielzahl von Möglichkeiten und vielfältigen Lebensentwürfen. Doch die Frauenrolle scheint zu groß geworden zu sein. Helwerth zählt auf: „Die jungen Frauen arbeiten sich an dieser Rolle ab: Sie sollen Karriere machen und Kinder bekommen, eine erfüllende Partnerschaft leben und dabei noch umwerfend aussehen. Und die Männer hängen 20 Jahre zurück.“

Ist also doch keine dritte Welle der Frauenbewegung, sondern vielmehr eine Männerbewegung notwendig? Antja Eilers bejaht diese Frage. „Die Männer können ja nichts richtig machen. Die haben keine klare Rolle mehr. Sind sie Macho, ist es falsch, sind sie nur der Hausmann, ist es auch nicht richtig.“ Die junge Frau hat in ihrer Generation gerade bei den Männern Orientierungslosigkeit beobachtet. Ihr eigenes feministisches Bewusstsein wurde schon früh geweckt. Aufgewachsen in einem Dorf in Ostfriesland, wollte die junge Frau den engen Strukturen entkommen, die untrennbar mit dem klassischen Rollenverständnis verbunden waren.

Eilers studierte Soziologie in Bremen und Geschlechterforschung in Oldenburg. Gleichberechtigt habe sie sich immer gefühlt, sie betont aber: „ich bin auch noch nicht ins Berufsleben eingestiegen.“ Und was versteht sie unter Gleichberechtigung? „Wenn eine Mutter Karriere machen kann, ohne als Rabenmutter bezeichnet zu werden, und ein Mann Hausmann sein kann, ohne als Weichei abgestempelt zu werden.“

„Die junge Generation wird noch viel zu tun haben“, glaubt Ulrike Helwerth. Sie gibt zu bedenken, „dass wir jetzt die bestaus-
gebildete Frauengeneration der Geschichte haben – und diese Frauen erhalten dennoch weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen.“ In einer gleichberechtigten Welt sind Männer und Frauen also noch nicht angekommen. „Aber ich hoffe, meine Generation wird es erleben!“, sagt Antje Eilers.