Babe der Woche

Mit der Angela-Merkel-Barbie ins Jubiläum

Barbie – das Mega-Babe – wird 50

Die Barbie war einst die begehrteste Puppe aller Mädchen. Doch mit dem Wandel des Rollenbildes der Frau wurde aus dem Lust-Objekt ein Frust-Objekt. Groß, blond, langbeinig. Viel Busen und die dünnste Wespentaille dazu, mit dem größten Kleiderarsenal und allen erdenklichen Accessoires, die frau sich nur erträumt, um „dem“ Ziel nahe zu kommen – einem perfekten Äußeren. Und weil sie so alleine war, kam bald Ken dazu. Und Barbie-Kinder. Das traute Heim war perfekt.


Hersteller Mattel zeigte, dass man mit der Zeit ging. Und schuf auch dunkelhäutige Barbie-Schwestern. Sowie ein Auto für die selbstständig gewordene Schönheit. Doch es half alles nichts. Der Umsatz ging trotzdem drastisch zurück. Ob es der Zickenkrieg mit den Barbie-Konkurrentinnen und Gören der Firma Bratz war, der der Plastikpuppe den Garaus machte oder tatsächlich ein neues Rollenverständnis der Frauen? Oder liegt es an der Tatsache, dass Mädchen heute früher aus dem Puppenalter herauswachsen und sich stärker zu elektronischen Gerätschaften und Spielen hingezogen fühlen? Genau klären lässt sich das nicht. Doch dass viele Mädchen gerne mit Puppen spielen, das wissen wir und wird sich vermutlich nie ändern.


Inwieweit nun das ersehnte Revival der ins Alter gekommenen Blondine mit der aktuellsten Kreation, der Angela-Merkel-Barbie, kommt, bleibt offen. Kurzhaarfrisur und dunkler Hosenanzug – ganz Kanzlerin, ganz neue Frau. Hut ab vor diesem Coup einer besonders deutschen und zielstrebigen Barbie-Variante. Doch wenn Mattelchef Bryan Stockton sagt: „Barbie war schon immer eine Reflektion von Kultur“, stockt einem fast ein wenig der Atem. (Wer sich übrigens ganz demokratisch lieber die eigene Kanzlerin-Puppe bastelt, greift vielleicht besser zu Schere und Klebstoff und dem „Angie Dressbook“.)

 

Ja, Barbie hat Kult-Status. Barbie ist aber auch schon fast wieder – wenn man es eng sehen will - eine Beleidigung für die moderne Frau. Und damit der Inbegriff der Ambivalenz. Denn Barbie ist vor allem eines – ein nach wie vor ersehntes Objekt kleiner Mädchen. Da mögen emanzipierte Mütter sich noch so drehen und winden. Sie, und nichts als sie, musste und muss es heute oft noch sein. Über eine Milliarde verkaufte Plastikschönheiten bevölkern die Kinderzimmer dieser Erde. In Deutschland besitzt, so wird behauptet, jedes Mädchen im Durchschnitt 7 Barbies.


Die Liebe hat aber oft sehr abrupt ein Ende. Und manche Teenager zelebrieren dann spielerisch-ironisch ihren Barbie-Hass. Wenn aber Psychologen tatsächlich gar Gefahren und Essstörungen durch Barbies Einfluss heraufbeschwören, weil ihre unerreichbaren Modelmaße das Selbstwertgefühl unserer Töchter schwächen könnte, grenzt das an starken Tobak.
Nun lassen wir mal die Kirche im Dorf und die Puppe im Bettchen. "Dass Schlank-sein 'in' ist, merken Kinder nicht nur an der Barbie, sondern an jeder Comic-Serie, in jedem Schaufenster und bei jedem Treffen von Erwachsenen, die sich über ihr Gewicht beklagen", sagt dazu die Expertin Helga Kernstock-Redl.