Männerecke

Nachtstadion

Mitten in der Nacht schreckt sie hoch, aus einem höllisch lauten Traum. „Was ist denn mit meinen Ohren los!?“ ist ihr erster Gedanke, als sie aufrecht im Bett sitzt, mit pochendem Herzen. Und da sieht sie es.

1

Auf dem Kopfkissen, genau da, wo zuvor ihr Kopf gelegen hat, brennt eine Schneise grelles Licht, FLUTLICHT, vom Vollmond durchs Fenster geschickt: Mit 100.000 Watt hat er ihr Trommelfell beknallt, um halb drei in der Nacht.

2
„Je älter man wird, desto seltener kann man mal so richtig ausschlafen“, beschwert sie sich. „Was ist das, was einen immer früher aus den Federn treibt?“ 
„Das Unterbewusstsein, vermute ich. „Es könnte ja sein, dass man stirbt an dem Tag, und dann ist man zu spät aufgestanden.“

3
Ich erzähle und erzähle, aber sie ist woanders. Sie hört überhaupt nicht hin.
„He!“ sag ich.
„Was? Oh. Ich hab lauter gedacht, als du geredet hast.“

4
Es gibt Zeiten, da bewege ich mich draußen dunkel und unauffällig wie ein Donnerstag. 
Der Typ, den ich unterwegs treffe, ein Künstler. Sagt er. Redet so verschwurbelt, als drohe er jeden Moment in seinem Schnauzbart zu ersaufen. 
Später begegne ich einer Chinesin. Sie ist so dünn, dass sie im Stehen eine Kurve macht. 
Ich guck sie mir genau an. 

5
„Du kannst nichts dafür, da hast du einfach Glück gehabt“, meint die Gräfin, als wir nebeneinander hergehen. „Du riechst auch heute noch nach Fußball und nach Camping in Holland mit deiner Familie. Du bist durchdrungen von deinen Kinderjahren.“

6
Dem ältesten der 3 Rockettas drohte vom vielen Schnaps die Potenz zu entgleiten. Kurzentschlossen griff er zu den Gelben Seiten.
„Was suchste?“meinte sein jüngerer Bruder.
„Nen Handwerker.“
„Handwerker? Was fürn Handwerker?“
„Egal, irgendnen Messing-Klempner, der mir unten rum einen hoch baut.“

7
Sie habe so heiß gebadet, sagt sie, dass die italienische Gemüsesuppe, die wir zuvor gegessen haben, „in meinem Bauch noch mal hochgekocht ist.“ 

8
„Seit 20 Jahren hört man in Deutschland nichts anderes als Krise, Arbeitsplätze und Milliarden Euro. Ich kann es nicht mehr hören.“

9
In der Nähe wohnt die Großfamilie aus Somalia. Lauter kleine Burschen, bei denen man das Gefühl nicht los wird, dass sie einfach nicht wachsen. Und dann sieht man sie plötzlich nicht mehr. Sobald sie die 1 Meter 50 erreicht haben, sind sie weg. Es heißt, sie seien fortgezogen. Wohin? Keiner weiß es. Bis sie eines Tages zu Besuch kommen und zwei Meter lang sind. „He, Langer, wie ist die Luft da oben?!“ Na ja. Aber wo waren sie zwischen 1 Meter 50 und 2 Meter? Ein afrikanisches Geheimnis, auf bergischem Boden.

10
„Ich bin so müde“, sag ich zur Gräfin, „ich schlaf gleich um mich!“

 

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Andreas Glumm schreibt regelmäßig in seinem Weblog „500Beine“ über sich und seine Lebensgefährtin, genannt die „Gräfin“, und den Hund „Frau Moll“. 

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