Reizthema

Naomi Klein

Die kanadische Journalistin, Aktivistin und Globalisierungskritikerin Naomi Klein ist ein brillanter und gleichwohl gefürchteter Medienstar.

Der Weg dorthin war steinig. Für ihre schonungslose Systemkritik ist sie von den politischen Eliten der Bush-Ära heftigst kritisiert worden. Unbeugsam weitete sie jedoch ihr Kritikfeld von den Marketingstrategien großer Konzerne und ihrer omnipräsenten Logos aus auf globale systematische Ausbeutung, Gewalt und Unterdrückung – mit einem besonderen Augenmerk auf die Situation der Frauen, vor allem an der Peripherie der Globalisierungszentren.


Eine links orientierte und feministisch ausgerichtete Herkunft gibt ihr von jungen Jahren an starke Impulse. Ihre Mutter Bonnie Sherr Klein wurde 1980 mit dem Dokumentarfilm „This is not a Love Story“ bekannt – eine erste Analyse kommerzieller Pornografie, die viel Aufsehen erregte und Zustimmung, aber ebenso wüsteste, sexistische Beschimpfungen in den Medien. 1989 erlebt Naomi an der Polytechnischen Hochschule von Montreal den Amoklauf eines jungen Mannes, der sich gegen Frauen richtete: Er erschießt 14 Frauen und schreit dabei seinen Hass auf Feministinnen heraus. „Von da an war ich Feministin“, so Klein zu diesem Schlüsselerlebnis. Sie hat ihr erstes journalistisches und politisches Feld gefunden und wird Chefredakteurin der Uni-Zeitung. Mit 23 Jahren ist sie bereits Chefredakteurin der linken Wochenzeitung „This Magazine“. Seit 1993 ist sie liiert mit dem Journalisten und Dokumentarfilmer Avi Lewis, auch er hat politisierte Eltern, die Mutter ist eine bekannte Feministin.


Enttäuscht vom Zustand der Linken wendet sie sich dem Arbeitsfeld „Ökonomie“ zu: den aggressiven Werbestrategien der Konzerne, die gleichzeitig massenhaft Arbeitsplätze in Sweatshops armer Länder auslagern und sich als mächtiger gebärden als Regierungen.

 

Als 2000 „No Logo“ erscheint, trifft Naomi Klein weltweit den Nerv vieler Menschen. Das Buch wird in 28 Sprachen übersetzt. Ihr Ziel ist es, Zusammenhänge von Neoliberalismus, Konzerngewalt, Katastrophen und staatlicher Repression wie von Überwachung, Folter und Kriegen aufzuzeigen. Sie ist sowohl als Beobachterin im Ausland unterwegs (in Argentinien, später im Irak) als auch als Publizistin und Aktivistin im eigenen Land. 2007 erscheint „Die Schock-Strategie: Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus.“

 

In den deutschen Medien gab es reihenweise feindselige Reaktionen auf dieses Buch, - ein Buch das zeigt, auf welch tönernen Füßen die neoliberale Grundthese steht, ein freier Markt führe zu einer freien Gesellschaft. Von "mangelnder Analyse" bis hin zu "kindlicher Trotzigkeit" gehen die Vorwürfe. Ganz anderer Meinung ist da (nicht nur) Joseph Stiglitz: Sie habe „die Meister-Erzählung unserer Zeit aufgedeckt“, schreibt der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, in der „New York Times“.

 

Am 5. Mai wurde die Globalisierungskritikerin vierzig Jahre alt. Zu diesem Anlaß gibt es ein ausführliches Porträt zu Naomi Klein von Brigitta Huhnke auf dem Frauenbiographie-Portal www.fembio.org. FemBio (Hannover/Boston) von Professorin Luise F. Pusch ist das weltweit größte Frauenbiographie-Portal und steht für den größten Schatz an verfügbaren Frauenbiographien – mit den Schwerpunkten Europa und Amerika.