Anderswo

Nerven für die gute Sache

Alice Schwarzer hat den Ludwig-Börne-Preis erhalten. Ihre Streitlust für die Sache der Frau wurde am Wochenende in der Frankfurter Paulskirche gewürdigt.

Sie könne nerven, sagte der TV-Moderator Harald Schmidt, der bei der diesjährigen Verleihung als Juror und auch Laudator auftrat, über die Preisträgerin: „Aber nicht jede, die nervt, hat auch die Qualitäten von Alice Schwarzer“.

In ihrer Dankesrede nahm die Autorin und Gründerin des EMMA-Magazins auch Bezug auf den Namenspaten des Preises, den Journalisten und Literaturkritiker Ludwig Börne, der in Frankfurt lebte und jüdischer Herkunft war. Auch für ihn sei die Frage nach Emanzipation ein ganz zentrales Motiv im Leben gewesen, meinte Alice Schwarzer, die sich dazu bekannte, es ähnlich wie Börne zu halten: „Nicht meine persönlichen Angelegenheiten sind die Welt, sondern die Welt ist meine persönliche Angelegenheit“.

Daneben reagierte Alice Schwarzer aber auch auf die Kritik, die in jüngster Zeit verstärkt an ihrer Person laut wurde – wie überhaupt auch an einem Feminismus der EMMA-Generation, den jüngere Frauen derzeit gerade für überholt erklären wollen. „Alphamädchen“, „Neue deutsche Mädchen“ oder auch Charlotte Roche sind der Meinung, man dürfe Alice Schwarzer nicht einfach so ein Monopol auf Fragen der Frauenbewegung lassen, und mischen sich ein: gerne auch beim Thema Sex, bei dem die Jüngeren auf neue Freiheiten pochen und sich von PorNO-Kampagnen heute zu sehr bevormundet fühlen. Ein Generationenkonflikt – mit moralischer Verbissenheit auf der einen und schwungvoll-naivem Anything goes auf der anderen Seite angeblich – wie ihn derzeit die Medien immerzu beschwören?

Weder Harald Schmidt noch Alice Schwarzer konnten das bei der Preisvergabe am gestrigen Tag so sehen. „Wir brauchen keinen neuen Feminismus, sondern nur genügend Elan, den alten erstmal durchzusetzen“, so brachte es der TV-Moderator zunächst auf den Punkt, und auch die EMMA-Gründerin ließ es an abweisenden Worten nicht fehlen, sprach von „Post-Girlies“ und einer neuen Haltung, die sie als „Wellness-Feminismus“ bezeichnete.

Wer genauer erfahren möchte, was da gesagt wurde, kann hier auf einen Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ klicken, der über die Verleihung und Preisreden berichtet.

Mindestens so empfehlenswert – ja sogar noch viel besser – aber ist ein Artikel im Magazin der „EMMA“ selbst. Hier ist es zwar nicht Alice Schwarzer, die Stellung bezieht, sondern die Autorin Lisa Jervis, Mitbegründerin und Herausgeberin des feministischen Magazins „Bitch“, die sich zum „medialen Zickenkrieg“ äußert. Dabei plädiert sie dafür, die viel beschworene „Generationskluft als das wahrzunehmen, was sie ist – heiße Luft“. Lisa Jervis schreibt:

„Die Leier geht etwa so: (…) Altbacken versus leichtlebig. Verkniffen versus verwöhnt und ignorant. Nichts davon stimmt wirklich – (…). Wie wir alle wissen, umfasste Feminismus immer schon eine Vielzahl ideologischer Ansätze, Strategien und Prioritäten. Die beiden derzeitigen Generationen der Bewegung werden als in sich monolithisch dargestellt, sind aber jeweils so vielfältig wie der Feminismus selbst – was nur logisch ist, denn sie sind der Feminismus.“

Wer den ganzen Artikel im Magazin der „EMMA“ lesen möchte, klickt hier.