Weibchenschema

"No Kid – 40 Gründe, keine Kinder zu haben"

Endlich. Eine Frau, Politologin und Psychoanalytikerin, wagt den Tabubruch. Sie erklärt, warum NICHT jede Frau ein Kind bekommen muss.

Und warum das ganz private Glück der Frauen (und der Wohlstand eines Staates) keineswegs dadurch gesteigert wird, dass alle selig lächelnd ihr Baby stillen. Hinzu kommt noch: Die Französin Corinne Maier, bekannt geworden durch ein fulminates Plädoyer fürs Nichtstun auch im Büro („Die Entdeckung der Faulheit“) hat glänzende Argumente für ihre Ablehnung.

Sie beziehen sich alle auf die (vor der Geburt total negierten) Gefahren, die das Leben mit Kind für die Mutter und ihr Glück bedeuten. Von einer scheußlichen Entbindung über gestörte Nächte bis zum mütterlichen Stress zwischen Spielplatz, Schule, Beruf und Ehemann. Vom Unglück, das das Kind oft genug in eine vorher glückliche Beziehung bringt, über die immensen Kosten, die es verursacht, bis zum Perfektionswahn, den Psychologen und Ratgeber heute den Müttern einreden – Perfektion nicht nur für die Mutter, sondern noch mehr für das Kind, das sie erzieht.

Was mir an diesem Buch so gefällt (außer der scharf geschliffenen Sprache und den guten Argumenten): Corinne Maier räumt gründlich mit dem Vor-Urteil auf, das viele kinderlose Frauen und noch mehr Väter, die nie Zeit für ihre Kinder haben, gern vorbringen: dass Kinder glücklich machen. Das tun sie nämlich nicht.

Ich habe selbst einen Sohn großgezogen, bin immer noch dankbar, wenn er mich mal anruft und finde, dass er erstaunlich perfekt, anständig, liebenswürdig, ehrlich, tapfer, fleißig, im Beruf großartig und erfolgreich geworden ist. Die Zeit aber, bis er soweit war – ehrlich gesagt: Die meiste Zeit war grauenvoll, und ich bin mir nicht mehr sicher, wieso ich sie lebend überstanden habe. Ohne Hilfe eines Vaters und ab dem zweiten Lebensmonat meines Kindes voll berufstätig, weil ich mir eine Auszeit nicht leisten konnte und wollte. Das große Problem bei diesem Leben:

Mein viel geliebter und heute so wohl geratener Sohn war keineswegs das perfekte Kind, von dem natürlich auch ich geträumt habe. Nicht fotogen, nicht charmant, nicht anpassungsfähig. Laut, wild, schlecht in der Schule. Genau so wie es die meisten gesunden Kinder sind. Wie ich es war.

Genau darum geht es Corinne Maier: Sie ist selbst Mutter zweier Kinder, und ich bin sicher: Sie liebt sie wie ich meinen Sohn. Was sie mit ihrem Buch erreichen möchte, ist also nicht die Verdammung aller Mütter, sondern mehr Ehrlichkeit in der Debatte um Geburtenmüdigkeit und das angeblich drohende Rentendesaster. Sie will erreichen, dass potentielle Mütter wissen, was auf sie zukommt, wenn sie ein Baby bekommen. Und dass all die Politiker, die nicht nur in Frankreich mit Familienglück für mehr Geburten werben, es lesen und schamrot werden.

Werden sie sicher nicht, aber ich empfehle „NO KID!“ zumindest allen, die vom eigenen Kind träumen. Es ist eine Garantie auf Dauerstress (mit all den bekannten Folgen für die mütterliche Gesundheit und ihre Liebe zum Vater) für mindestens 20 Jahre. Schlimmer als man sich das in seinen schlimmsten Träumen vorstellen kann.

Ob es sich trotzdem lohnt? Das kann nur jede für sich alleine beantworten.