Cool Tour

Nur einen Klick entfernt von hier

Mit Laleh sollte man rechnen. Auch wenn ihre Songs bisher vor allem in Schweden für Begeisterung sorgten: nur einen Mausklick entfernt von hier sind es mittlerweile nicht mehr nur die Fans von dort, die der Musikerin zu Füßen liegen. Und das erstaunt so gar nicht.

„Prinsessor“ („Prinzessinnen“) hieß das zweite Album, mit dem Laleh an ihren Riesenerfolg im Jahr 2005 anzuknüpfen versuchte. Damals hatte sie ein Debüt veröffentlicht, mit dem sie, gerade einmal 23-jährig, in Schweden zur Musikpreiskönigin des Jahres aufstieg: Sie wurde gleich mehrfach als „Künstlerin des Jahres“ und „Newcomerin des Jahres“ ausgezeichnet, auf verschiedenen Verleihungen räumte sie kräftig ab, dabei auch drei Preise auf der „Grammisgalan“ – einer schwedischen Entsprechung zum ECHO hierzulande.

Dabei sei ihre erste Platte mit dem Titel „Laleh“ im Grunde noch etwas naiv und persönlich, nicht so richtig professionell gewesen, so wandte die Künstlerin später selbst gegen das viele Gold ein, das ihr überreicht wurde. Einer der Grammis sei ihr aber doch ungeheuer wichtig gewesen – nämlich die Auszeichnung auch als beste „Produzentin des Jahres“. Und das wird sofort verstehen, wer mit Laleh und ihren Songs etwas vertrauter ist: Am liebsten setzt die Sängerin nämlich alle Hebel selbst in Gang, Texte und Kompositionen sind ohnehin aus eigener Feder, auf der Debütscheibe aber wurden auch alle Instrumente und Gesangsparts von Laleh selbst eingespielt. Und als sei das nicht schon Alleingang genug: Das Angebot, von einer Plattenfirma unter Vertrag genommen zu werden, schlug Laleh kühn aus – sie wollte sich nicht am Zeug flicken lassen und ihr Album doch lieber selbst produzieren.

Was dabei nun entstand, ist eine vielseitige Mischung aus Pop, Rock, Folk und schwedischer Liedtradition. Und obwohl das alles ziemlich „alternative“ und sehr ungewöhnlich daherkommt, so zählt die Musikerin explizit Mainstream-Acts wie The Police und Stevie Wonder zu ihren Vorbildern. Dass der Jazz, der auf einem Saxophon als erstem Instrument der Musikerin erobert wurde, auch seine Spuren hinterlassen hat, ist ebenfalls kaum zu überhören. Leicht einzuordnen ist das, was Laleh an Klangbreiten präsentiert, so wohl nicht. Aber vielleicht kann man zumindest eines sicher sagen: Auch wenn der Titel „Prinzessinnen“ des zweiten Albums solche Assoziationen weckt – mit leichter Kost aus der platten Popprinzessinnnen-Schule hat man es hier nicht zu tun.

Ob das einem internationalen Erfolg, von dem natürlich auch Laleh träumt, im Weg stehen wird? Immerhin: Auf dem Internetportal Youtube sind es längst nicht mehr nur Fans aus der Heimat, die sich von so kraftvollen Stücken wie „Invisible“ oder den eher spröden Live- und Soloauftritten der Sängerin und Gitarristin begeistert zeigen. Auch wenn natürlich die Liebesgeständnisse in Landessprache noch immer in der Überzahl sind – und der Laleh-Freund von anderswoher sich sprachlich in der Rolle des Aliens wiederfindet.

Aber von hier zu einem wirklichen Durchbruch ist es weit. Und vermutlich ist auch vieles von dem, was Lalehs Songs ausmacht, doch zu sperrig, versponnen und nicht zuletzt auch sprachlich eigensinnig: Schließlich sind es drei Sprachen (Englisch, Schwedisch und Persisch), in denen die Künstlerin textet und singt. Laleh Pourkarim, so ihr voller Name, wurde 1982 im Iran geboren, aus dem ihre Eltern aber aus politischen Gründen fliehen mussten. Über Minsk, damals noch Sowjetunion, gelangte die Familie schließlich nach Schweden, wo sie in einem Göteborger Vorort endlich wieder Fuß fassen konnte und die Tochter, nun bereits im Teenageralter, sich zunehmend in die Musik zu stürzen begann. Mit einem kurzem Abstecher allerdings vor die Kamera: Im Jahr 2000 spielte Laleh eine der Hauptrollen in der sehr erfolgreichen Filmkomödie „Jalla , Jalla!“ des schwedisch-libanesischen Regisseurs Josef Fares.

Was die eigene Migrationserfahrung angeht, scheint es Laleh allerdings lieber, die Kirche im Dorf zu lassen. Ob sie sich eigentlich als ein Symbol für ein „neues Schwedens“ sehe, als Verkörperung dessen, wovon Multikulti-Befürworter träumen, fragte einmal ein Interviewer arglos nach. Und da hatte er die Sängerin aber prompt am Kragen. Warum man eigentlich nicht die sein dürfte, die man ist, konterte Laleh. Warum man immer zu diesem oder jenem gestempelt werden müsse. Sie sei zwei Monate im Iran gewesen, erklärte die Göteborgerin, und da hätte sie nur Heimweh verspürt und nach Hause gewollt. Und überhaupt, wie Laleh meint: Ihre Musik wäre wohl kaum eine andere, wenn sie selbst voll und ganz schwedisch aussähe?

Eine interessante Frage. Vielleicht nicht.

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Fotos:

1. Johan Eckerström (via flickr.com)
2. Lisa Jansdotter (via flickr.com)
3. Oscar Gezelius