Kerle & Küche

Pho Bo, scharfe vietnamesische Suppe

Neben der Freundlichkeit der Menschen war das eines meiner stärksten Erlebnisse in Vietnam: die Suppe.

Die gibt es nämlich an jeder Straßenecke, da steht ein kleiner Ofen mit einem großen Topf darauf, daneben oft nur ein einziger flacher Tisch mit Plastikstühlen herum, auf die man hierzulande gerade mal ein Kind setzen würde. Das ganze Ensemble ist mit einem Sonnenschirm überdacht, unter dem eine alte Frau hockt und gegen ein paar Pfennige Suppe verteilt.

Es wird kräftig geschlürft, in der Pho Bo schwimmen Gemüse, Nudeln und ein paar Fleischfetzen, zusätzlich wirft sich der Gast je nach Belieben Koriandergrün oder rote Ringe von frisch geschnittenen, höllisch scharfen Chilischoten hinein. Als Beilage gibt es oft Baguette, ein Umstand, den sich die Vietnamesen aus der Zeit der französischen Kolonialzeit erhalten haben und der das Reisen in diesem Land sehr angenehm macht, angenehmer als in allen anderen asiatischen Länder, die ich kenne.

Baguette, La Vache qui rit, mit Stolz gepflegte Café-Kultur und die fast schon burgundisch anmutenden Patisserien in Saigon machen Vietnam für europäische Reisende ein wenig heimatlich. Das ist aber nur Schein, und der Reisende merkt sehr schnell, dass er in Asien ist, wenn er sich an die allgegenwärtige, salzig und verrottet stinkende Fischsauce Nuoc mam gewöhnen will, was nur schwerlich gelingt, aber für ein typisches Gericht unablässig ist. Auch in Pho bo gehört ein kräftiger Schuss Nuoc mam.


Für die Brühe:

2 l Fleischbrühe
50-75 g Ingwer
3 Anissterne, 3 Nelken, 1/2 Zimtstange
3 El Nuoc mam Fischsauce
200 g Reisbandnudeln

Einlagen:

150 g Rindfleisch (Filet oder Rücken)
3 Frühlingszwiebeln in Ringe geschnitten
50 g Sojasprossen
1 Bund langblättriger Koriander
1 Bund Koriandergrün
1 Bund asiatisches Basilikum
frische Chilischoten nach Belieben
1 Limette aufgeschnitten

Zuerst kocht man die Brühe für eine halbe Stunde mit den Gewürzen, schmeckt sie ab. Währenddessen weicht man die Nudeln in Wasser ein, sie kommen erst in den letzen Minuten in die Suppe. Die Einlagen serviert man getrennt. Das Fleisch wird dabei in sehr dünne Scheiben geschnitten und am Tisch portionsweise mit kochend heißer Brühe übergossen. Jeder Gast nimmt sich dann die weiteren Zutaten nach Lust und Laune. Aber Vorsicht mit den Chiliringen.

Über zu Chili passenden Wein habe ich hier schon mal was geschrieben.

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Wolf Hosbach ist Journalist und Blogger, auf „Hausmannskost 2.0“ sind weitere Rezepte von ihm zu entdecken. 

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