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Pornoland, dein Biofaktor!

Wie alternativ muss Porno sein – um auch Frauen anzusprechen? In Berlin wurde der erste Feministische Pornofilmpreis Europas verliehen und zugleich für ein Gütesiegel geworben, dass Frauen Lust machen soll: auf die „Ökokost“ des Genres?

Kann es so etwas überhaupt geben? Einen Porno – ohne Frauenverachtung? Ganz sicher, meint Laura Meritt. Die 46-Jährige nennt sich selbst „Sexpertin“, hat Kommunikationswissenschaften studiert und hält nichts von Thesen, wie sie einst noch der Zeit-Feuilleton-Chef Ulrich Greiner vertrat: der Mann sei nun mal „pornographisch interessiert, die Frau nicht“. Unsinn, so argumentiert Laura Meritt dagegen an. 

„Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass Frauen zunehmend gerne Pornografie sehen wollen“, sagt die Berlinerin in Interviews, „aber eben nicht die herkömmliche“. Mit einem neuen Label, das Laura Meritt mit Gleichgesinnten geschaffen hat, soll hier nun einiges in Bewegung kommen: Am Wochenende wurde zum ersten Mal der „PorYes“ verliehen, eine Auszeichnung für Sexfilme, die mehr zu bieten haben als das eindimensionale „ewige Rein-Raus“ der Branche. 

Der Preis wird nach feministischen Kriterien vergeben und spielt indirekt natürlich auch auf die PorNO-Kampagnen von Alice Schwarzer und anderen an. Eine Art Gegenoffensive sei das Ganze aber nicht, so betont Laura Meritt. Im Gegenteil sogar: Auch „PoYes“ wendet sich gegen die Sexismen, Rassismen und Zwänge, die im Pornogeschäft toben. Brauchen wir hierzu nun eine erotische Gegenkultur, die uns mit anderen Bildern von Lust verführen könnte?  

Laura Meritt ist davon überzeugt. Und sie hat als langjährige Betreiberin eines Shops, der mit hochwertigem Sexspielzeug handelt, auch schon Erfahrungen gemacht, wie man sich eine alternative Nische auf dem Markt erobert. Wegkommen will sie vom „Schmalspursex“, von der Leistungsshow und auch der Fokussierung auf die männliche Lust allein, die im Mainstream-Porno den Ton angeben. Es gehe darum, völlig neue Qualitäten zu befördern: 

„Wir fordern, dass eine Vielfalt an sexuellen Praktiken gezeigt wird, dass wir auch mal unterschiedliche Altersgruppen sehen, andere Ethnizitäten, verschiedene Lebenshintergründe, nonkonforme Körpertypen“, so fasst Laura Meritt zusammen, die damit gängigen Klischees den Rücken kehren möchte. „Wichtig wäre auch, dass Frauen an der Produktion beteiligt sind, also bei Drehbuch, Kamera, Regie, nicht nur als Aktrice.“

Der neue Porno-Award, der diesmal gleich an fünf Regisseurinnen und Pionierinnen des Genres ging, hat übrigens die Form einer Auster. Was läge näher? Wie Laura Meritt erklärt, ist die Auster nämlich nicht nur das Symbol für weibliche Sexualität, sondern auch für eine aphrodisiatische Wirkung bekannt. Und damit noch nicht genug: „Sie enthält auch alle Nährstoffe und ist deshalb besonders gesund.“ 

Pornos mit hohem Biofaktor, die richtig gut tun? Ist das der Dreh, mit dem aus der alten „Schmuddelecke für die Jungs“ nun ein neuer Lifestyle-Bereich werden kann, an dessen Theken auch Frauen sich gerne mit „Ökokost“ bedienen lassen?