Männerecke

Räuber und Gendarm

Hände hoch!

"Alina, kommst du raus, Räuber und Gendarm spielen?"
"Ich schreib morgen 'ne Englischarbeit."
"Na und? Jenny auch."

Alinas Freundinnen, Pferdeschwanz, Jeans, verstecken sich hinter einer halbhohen Hecke, aber nur nachlässig. Käme jetzt ein Gendarm um die Ecke, halbwegs taff, es wäre sofort um sie geschehen, 1 Streifschuss in jede Jacke.

Während Alina noch am Fenster mit ihrer Mutter verhandelt, ("In Englisch steh ich doch zwei, Mama", "Ja, und das soll auch so bleiben, Alina"), zieh ich weiter, Frau Moll im Schlepptau, Richtung Parkanlagen.

Das ist ein bisschen beruhigend, wenn die Kinder draußen Sachen spielen, die man selbst noch aus der Kindheit kennt, man könnte theoretisch aus dem Stand einsteigen. 50 Jahre alt, Bandscheibenbeschwerden, Hund am Hals.

Überrascht war ich letztens, als ich mit dem Hund am Neuen Kannenhof herging, der Hochhaussiedlung im Grünen, wo ein Riesenradau im Gange war. An die zwanzig Kinder, die Völkerball spielten. Da bin ich erstmal stehengeblieben, eine Minute lang, um mich zu vergewissern, ob ich mit der Vermutung auch nicht falsch lag. Dass die tatsächlich Völkerball spielen.

"ERDBALL!" rief ein Mädel nassforsch, als der Ball den Boden berührte und die anderen Kinder zur Seite wegspritzten, um nicht getroffen zu werden.

Völkerball also. Zuerst gingen meine Gedanken in Richtung: Was ist das fürn asozialer Verein hier, haben die Kids zuhause kein Ballerspiel? Ist die X-box im Pfandhaus? Ich meine, Völkerball! Das haben wir 1970 gespielt, und damals kam uns das schon altmodisch vor, genauso wie "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?"

(NIEMAND!)

Und dann liefen wir.

 

......................................................................................................................................................................
 
Andreas Glumm schreibt regelmäßig in seinem Weblog "Studio Glumm" über sich und seine Lebensgefährtin, genannt die „Gräfin“, und den Hund „Frau Moll“ 

......................................................................................................................................................................