Women only

Räumliches Denken

Frauen können nicht einparken, ist zweifelsohne das bekannteste wiewohl beliebteste Vorurteil gegenüber Frauen. Das ist natürlich totaler Quatsch.

Es wurde aber durch das Buch von Allan und Barbara Pease zu einer Art Doktrin der weiblichen und männlichen Rollenklischees, und viele Menschen glauben diese Irrlehre tatsächlich: Männer können nicht zuhören, Frauen nicht einparken! Warum das so ist? Das haben die beiden Bestseller-Autoren mit einem Blick in die Evolutions- und Verhaltensforschung herausgefunden: Alles wegen der Urzeit!

Das Ehepaar Pease ist nämlich fest davon überzeugt, dass unsere Hirnstrukturen nicht viel anders als beim Neandertaler, also im Prinzip noch genauso sind wie vor etwa 150.000 Jahren. Dazwischen ist im Grunde nicht viel passiert, vielleicht dass Galileo Galilei meinte, die Welt sei rund und doch nicht eckig, dass Loriot den Familienbenutzer erfand und dass es jetzt Dildos mit iPod-Anschluss gibt. Weil Männer mit Hilfe ihrer im Pleistozän programmierten Hirnzellen noch heute ganz genau wissen, wie man Mammuts bezwingt, könnten die voll super einparken, und weil Frauen in der Urzeit immer in der Höhle am Feuer sitzen und Urzeit-Socken stopfen mussten, können die heutzutage nicht einparken, aber dafür ganz toll zuhören.

Einparkvermögen hat natürlich mit räumlichem Denkvermögen zu tun. Das können Männer angeblich aber auch besser, weil räumliches Vorstellungsvermögen vom Testosteronspiegel abhängt. Das ist wissenschaftlich erwiesen, und das kann man sogar testen. Zum Beispiel mit dem wissenschaftlichen Männlichkeitsquotienten-Test. Der MQ-Test geht folgendermaßen: Man misst Ringfinger und Zeigefinger und teilt dann den Ringfinger durch den Zeigefinger – also nicht wörtlich. Je höher das Ergebnis desto, männlicher ist die Person.

Mein MQ liegt bei 1,07. Ich bin also laut Statistik ein halber Mann und kann ohne Angeberei sagen, dass ich eine recht gute Einparkerin bin. Allerdings führe ich das nicht auf meinen MQ zurück, sondern vielmehr auf über zehnjährige Fahrpraxis und den Lerneffekt, den ich erzielte, als ich kurz nach meiner Fahrprüfung einen Mercedes leicht touchierte. Trotz äußerlich nicht sichtbarer Spuren hinterließ ich vorschriftsmäßig ein kleines Zettelchen mit meiner Adresse, das mich 700 Mark kostete. Seitdem parke ich nie mehr neben Mercedesfahrern.

Bei all jenen wissenschaftlich fundierten Experimenten zum Thema räumliches Vorstellungsvermögen stimmt mich eines allerdings sehr nachdenklich: Wie um alles in der Welt kann es sein, dass sich Frauen selbst in ganz fremden Schuhläden in aller Welt sofort orientieren können? Dass sie allein an der Schuhform sofort erkennen, ob der Schuh – rein räumlich gesehen – zu ihrem Fuß passt oder nicht? Frauen verfügen, so gesehen, über ein nahezu fotografisches Raumvorstellungsvermögen, vor allem wenn es um die Wirkung ihres neuen Prada-Kleides beim nächsten Silvesterempfang geht. Oder um die Wirkung ihres neuen Zweit-Porsches vor der Haustür.

Und wenn Männer so ein irre räumliches Vorstellungsvermögen haben, dann müssten sie ihnen bekannte Räume doch eigentlich auch bei völliger Dunkelheit erfassen können. Aber: Habt ihr schon mal einen Mann im Dunkeln im Schlafzimmer stehen gehabt? Ich meine jene Situation, in der der Mann sich gänzlich hilflos und allein die zwei Meter vom Lichtschalter bis zu seinem Kuschelkissen vortapsen muss? Obwohl er schon seit sechs Jahren jede Nacht in diesem Zimmer verbracht hat, muss er sich erst mal zwei Minuten von dem Schock des schwarzen Loches, das sich vor ihm auftut, erholen und sich umständlich orientieren.

Das geht dann folgendermaßen: „Schatz, wo bist du?“ Das Weibchen fängt in der Dunkelheit reflexartig an, Piepsgeräusche von sich zu geben, und dabei tastet sich das Männchen dann nach Gehör vorsichtig zum Bette vor. Dabei stellt sich vermutlich kein Wesen auf der ganzen Welt ungeschickter an als ein Menschenmännchen. Eine Kaskade an „Auatschs und Auas“ schallt durch das Dunkel, bis das Männchen schließlich völlig ramponiert ins Bett gekrochen kommt. Aber keine Sorge Männer, es ist wissenschaftlich erwiesen: Räumliches Vorstellungsvermögen lässt sich trainieren!