Weibchenschema

Reisen, aber anders!

Ob Szene-Keller oder Beletage der Stadt: Ein neuer Reiseführer zeigt, was Berlin für Frauen zu bieten hat.

„Das Gute an Berlin ist, das man es nicht in einem Satz sagen kann“, meint Angelina Maccarone. Die Filmemacherin ist, wie viele andere auch, eine Zugezogene, eine Wahl-Berlinerin – vor zehn Jahren kam sie an die Spree, um hier ihre ersten Drehbücher zu schreiben. Ursprünglich wollte Maccarone lieber das Musikgeschäft mit eigenen Popsongs erobern. Aber so ist das mit einer Film-, Kunst- und Modemetropole wie Berlin: Die Stadt eröffnet viele Wege, alles noch einmal anders zu sehen. 

Nicht zuletzt auch für Frauen, wie ein neu erschienenes Reisebuch zeigt: „Frauen in Berlin“ versammelt oft kürzere, aber stets lebhafte Porträts prominenter Berlinerinnen – von damals bis heute – und lädt dazu ein, Orte zu entdecken, die für ihr Leben und Wirken bedeutend waren: Wo wohnten und arbeiteten etwa Hildegard Knef, Rosa Luxemburg oder auch die Rocksängerin Tamara Danz? Wer war Felice Schragenheim, deren Geschichte als untergetauchte Jüdin und Journalistin im Berlin der Nazizeit erst posthum und durch das Buch „Aimée und Jaguar“ wirklich bekannt wurde? Und welche Spuren hinterließ ein Weltstar wie Marlene Dietrich hier, sozusagen weit über den „einen Koffer“ in der Stadt hinaus? 

„Frauen in Berlin“ ist ein Reiseguide, der Lust macht, den handelsüblichen Fremdenführer als zu drögen Begleiter doch lieber gleich zuhause zu lassen. Dazu stiftet natürlich auch die Verve an, mit der die Autorin Dagmar Trüpschuch in das weibliche „Who-is-Who“ der Stadt eintaucht – mit Blick auf Namen im Hier und Jetzt auch, etwa Sasha Waltz oder Popette Betancor: Die Choreografin und die Liedermacherin gehören zu jenen, die am kreativen Himmel über Berlin heute gerne mal für Sternstunden sorgen.  

Up to date ist man mit diesem Buch aber auch, weil es einen ausführlichen Service- und Adressenteil enthält, der viele Tipps zu Restaurants und Cafès, Übernachtungsmöglichkeiten und Events für Frauen liefert. Auch Anregungen zu Freizeitmöglichkeiten mit Kindern kommen hierbei übrigens nicht zu kurz. Und zudem findet man auf der Website „frauen-reisebuch.de“ auch noch die Gelegenheit, sich über aktuelle Ergänzungen, Hinweise und Links zu informieren, die durch das kulturelle Programm Berlins führen können. Wer nach Medien sucht, die insbesondere ein weibliches Interesse bedienen, wird hier nicht minder fündig.

Das alles spricht natürlich nicht nur für sich, das Buch und seine Autorin – sondern auch die Sprache einer Stadt, die viele und sehr eigene Facetten hat. Wie diese geprägt wurden, durch Häuserkämpfe und Kampf um Frauenhäuser in den 80er Jahren, Lesbenkultur und Einwanderungsgeschichten, das alles lässt sich ebenfalls in „Frauen in Berlin“ spannend aufbereitet nachlesen. Bleibt eigentlich nur eines zu befürchten, wenn man zu diesem Buch greift: Dass man sich fest liest – in irgendeiner Schmökerecke, mitten in Berlin!